„Wenn Du Dich reinhängst, dann wird hier was aus Dir.“

textAsylbewerber, Integration und Arbeitserlaubnis, oder:
Wie die Agentur für Arbeit das Arbeiten erschwert

Es wurde so einiges beschlossen heute, im neuen Integrationsgesetz. Herr Gabriel soll gesagt haben, die Botschaft des Gesetzes an die Geflüchteten sei: „Wenn Du Dich reinhängst, dann wird hier was aus Dir.“ (Quelle: tagesschau.de). Fördern und fordern will die Regierung. Beim Fördern ist indes noch sehr viel Luft nach oben, während das Fordern schon ganz gut klappt. Wie das in der Praxis zum aktuellen Zeitpunkt für Asylbewerber in NRW aussieht mit dem Reinhängen? Nun, es ist eher ein Strampeln, Zappeln und völlig in der Luft hängen, wenn man z. B. als Flüchtling aus Syrien in Wuppertal arbeiten möchte.

Man könnte es sich als Asylbewerber, der seit 8 Monaten auf seine Anhörung in Düsseldorf wartet und nach wie vor lediglich die inzwischen zwei Mal verlängerte BÜMA vorweisen kann, sehr einfach machen und einfach gar nichts tun. Denn Integrationskurs? Fehlanzeige, da die Kostenübernahme nicht gesichert ist. Gibt’s erst ab Asylbescheid, aber nur theoretisch, denn die Wartelisten sind lang. Oder Arbeiten, obwohl etwaiger Arbeitslohn eh bis auf 100 Euro einbehalten wird? Wenig attraktiv, aber ja, ich kenne mindestens einen jungen Syrer mit guter Bleibeperspektive, der genau das will: Arbeiten. Abzüge sind ihm egal, Hauptsache Arbeiten. Er hat langjährige Gastronomie-Erfahrung in seiner Heimat, aber keine Ausbildung, die hier anerkannt wird. Er hat bereits ein 6-wöchiges Praktikum in einer Werkskantine absolviert, wo er den Laden gerockt hat. Alle waren begeistert, das Zeugnis ist top. Ach ja, nebenbei hat er auch noch, statt schicksalsergeben nichts zu tun, einen Inlingua-Sprachkurs – in den er dank einer fähigen Sozialarbeiterin gerutscht ist – erfolgreich mit Zertifikat A1 beendet. Und natürlich auch die unerlässliche Hygieneschulung mitgemacht. Er hängt sich rein, ja, liebe Regierung.

Und nun hat sich die Chance auf einen Minijob im Küchenbereich eines Catering-Unternehmens ergeben, ab Mitte Juni. Cool, Vorstellungsgespräch: alles okay, passt. ABER: Er darf ja nun nicht einfach arbeiten, nein, das wäre zu einfach, er muss sich schon noch etwas mehr reinhängen. Und auch der potenzielle Arbeitgeber, der es vielleicht jetzt schon bereut angesichts des ganzen Papierkrams: Denn er darf den Arbeitswilligen nicht einfach einstellen, oh nein. Er muss erst eine Stellenbeschreibung der Agentur für Arbeit ausfüllen, ggf. sogar noch ausführlich begründen, warum er keinen ggf. bevorrechtigten Kandidaten einstellt, sprich einen Deutschen oder EU-Staatsangehörigen oder Ausländer mit Niederlassungserlaubnis oder irgendeinen anderen ausländischen Arbeitnehmer. Das letzte Glied in der Kette ist also der leider immer noch auf Anhörung und Asylbescheid Wartende.

Ist der potenzielle Arbeitgeber noch nicht abgeschreckt und füllt das alles brav aus, dann ist diese Stellenbeschreibung zusammen mit dem Antrag auf Erlaubnis einer Beschäftigung, die der Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit bedarf, bei der Ausländerbehörde abzugeben – zusammen mit noch so ein paar Kleinigkeiten wie Nachweisen über Schulabschluss, Qualifikation und Vorbeschäftigungszeiten. Was man halt so als integrationsbereiter Flüchtender üblicherweise wasserfest im Rucksack verpackt. Von da geht es zur Bundesagentur für Arbeit, und nein, man kann es NICHT direkt, um Zeit zu sparen, zur Bundesagentur für Arbeit schicken. Der Umweg ist nötig, damit auch garantiert erst nach mindestens 2 bis 4 Wochen der Bescheid kommt. Ganz pfiffig, so hängt man richtig lange in der Luft, übrigens auch der Arbeitgeber, der ja  nun nicht weiß, ob sein Wunschkandidat überhaupt wirklich Mitte Juni antreten darf.

Denken wir mal positiv und nehmen an, es klappt. Dann muss das Amt für wirtschaftliche Hilfe informiert werden, damit die Leistung entsprechend gekürzt oder eingestellt wird. 100 Euro Freibetrag bleiben großzügigerweise – dafür kann man sich schon mal etwas reinhängen, oder?

Aber es gibt Hoffnung im neuen Gesetz bezüglich der Vorrangprüfung, wobei die kleine fiese Klausel für Wuppertal die Hoffnung doch wieder schmälert (Quelle: tagesschau.de):

Die Regelung, wonach Flüchtlinge nur dann einen Job annehmen können, wenn kein geeigneter Bewerber aus Deutschland oder der EU zur Verfügung steht, soll für drei Jahre ausgesetzt werden. Das gilt allerdings nur für Regionen mit unterdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit.

… Und für B. kommt die Änderung eh zu spät. Da hilft nur mal wieder der unerschütterliche Glaube, dass wir noch immer alles irgendwie geschafft haben …

Das besondere Bilderbuch: Am Tag, als Saída zu uns kam

Saida BilderbuchDieses Buch nicht vorzustellen, dafür fehlt mir die Zeit! In den vergangenen Monaten habe ich die Buchrezensionen vernachlässigt, sie immer wieder vor mir hergeschoben, immer wieder schien anderes dringender zu sein. Aber für dieses wunderbare, poetische Bilderbuch aus dem Wuppertaler Peter Hammer Verlag schiebe ich jetzt einfach anderes weg, denn ich möchte es unbedingt JETZT von ganzem Herzen empfehlen. „Buchstaben wie Schmetterlinge“ schreibt Rezensentin Regina Riepe in der Süddeutschen Zeitung, und das trifft es so gut! Zufällig war eines der ersten Wörter, das ich mir im Arabischen merken konnte, das Wort für Schmetterling, فراشة (farashatan). Am Tag, als Saída zu uns kam, ist eine Freundschaftsgeschichte zwischen zwei Mädchen, die ganz selbstverständlich kulturelle Grenzen überwinden. Schon für den Satz: „Am Tag, als Saída zu uns kam, wusste ich sofort, dass ich sie immer gernhaben würde.“ liebe ich dieses Buch. Es sollte zur Grundausstattung in jedem Kinderzimmer, in jedem Kindergarten, in jeder Grundschulbibliothek gehören. Ach, es sollte  nicht nur in jedem Bücherregal einen Platz finden, sondern vielmehr zur Hand genommen werden und die Herzen von Kindern und Erwachsenen erreichen. Was soll ich noch schreiben über diese anrührende Geschichte und die zauberhaften Illustrationen, in denen deutsche und arabische Buchstaben tanzen? Das Wichtigste ist wohl, dass zu keiner Zeit der Gedanke aufkommt, dies sei ein weiteres, arg bemühtes „Problembuch“. Im Gegenteil, was geschieht, nachdem Saida aus Marokko ins ferne Land kommt, ist alles andere als trübsinnig und problembehaftet.

Wer hineinschauen möchte: Hier geht’s zum Peter Hammer Verlag mit Blick ins Buch und Leseprobe.

Leider habe ich nur bei bücher.de in Kooperation mit Perlentaucher und DIZdigital einen die Besprechung in der SZ vom 15.04.2016 online gefunden. Ich empfehle aber natürlich Bestellung und Kauf in einer Buchhandlung vor Ort.

 

Mit dem Mietvertrag geht es weiter …

Syrisches Festmahl

Syrisches Festmahl

Was aus der Wohnungssuche geworden ist? Nun, der Mietvertrag, der im Beitrag Helfen bei der Wohnungssuche schon fast sicher zu sein schien,wurde leider nicht abgeschlossen. Und zwar nur aus einem Grund: Der Eigentümer der Wohnung hatte schlichtweg keine Lust, den Antrag für die Freistellung vom Wohnberechtigungsschein für öffentlich geförderte Wohnungen zu unterschreiben. Alles war vorbereitet, die Genehmigung zugesagt, aus der Freistellung hätte sich nicht der geringste Nachteil für den Vermieter ergeben. Als ich freitags hoffnungsvoll bei der Hausverwaltung anrief und man mir wenig bedauernd mitteilte, dass es keinen Abschluss geben würde, flossen bei mir fast die Tränen vor Enttäuschung – und vor Wut über diesen Wohnungseigentümer. So dicht davor, und dann das! Am allerschlimmsten war es, Bilal die Hiobsbotschaft überbringen zu müssen. Er nahm es gefasster auf als ich. Mich plagte die Vorstellung, dass jetzt alles wieder von vorn losgehen würde, die ganze umständliche Prozedur!

Freitag ist aber der Tag, an dem das „Blättchen“ bei uns im Briefkasten liegt. Die Wochenzeitung fürs „Dorp“ und die obere Südstadt heißt eigentlich Cronenberger Woche. Darin finden sich auch immer ein paar Immobilienanzeigen, ganz altmodisch mit Telefonnummer. Und so hängte ich mich ans Telefon, sagte mein Sprüchlein auf und das Wunder geschah: Ich geriet an einen waschechten Ur-Cronenberger mit Herz und freiem Apartment. Besichtigungstermin ausgemacht, gepflegtes Haus mit vier Parteien, Bushaltestelle in der Nähe, Wohnung zwar wirklich winzig, aber renoviert, der Schnitt ganz pfiffig, passte! Mietvertrag zum 15. Januar abgeschlossen. Inzwischen ist die Wohnung schon fast komplett eingerichtet und am Wochenende waren wir zum syrischen Essen eingeladen. Der Tisch bog sich unter all den Köstlichkeiten. Es war der Wahnsinn, wir kugelten nach stundenlangem Gelage gefühlte 5 kg schwerer heimwärts. DANKE!

Der zweite Streich muss auf dem Fuße folgen, denn auf der To-do-Liste ganz oben steht jetzt die Wohnung für B.s Freund. Da sieht es im Moment so aus, dass eine Wohnungsbesichtigung stattgefunden hat und eine Selbstauskunft abzugeben ist. Ich ergänze diese Auskunft noch um eine Art „Referenz“, in der ich mich und mein Engagement für diesen Asylsuchenden vorstelle, mich als Ansprechpartnerin zur Verfügung stelle und erkläre, warum aufgrund des besonderen Status Angaben zu Beruf und Arbeitgeber derzeit nicht möglich sind und dass die Bankverbindung erst später nachgetragen wird, da abweichend von der Bankverbindung des Mieters.

Nun aber noch ein paar allgemeine Tipps für andere Menschen, die Geflüchteten in Wuppertal (und natürlich auch andernorts) bei der Wohnungssuche helfen, solange noch keine 3-jährige Anerkennung als Flüchtling vorliegt. (Ab Anerkennungsbescheid ist das Jobcenter bzw. hier in Wuppertal ZEBERA (UPDATE: ab 2018 Haus der Integration, Friedrich-Engels-Allee) zuständig und die Abläufe und auch die Zuschüsse ändern sich.)  Folgendes ist zu tun, wenn ein Mietverhältnis zustande kommt:

  1. Das Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal vergibt beim Termin für die Genehmigung der Wohnung gleich einen Anschlusstermin ca eine Woche später, an dem der Mietvertrag vorgelegt werden muss.
  2. Der abgeschlossene Mietvertrag bildet dann die Grundlage für die konkrete Zahlungsübernahme von Miete und Kaution frühestens ab Datum des offiziellen Mietbeginns direkt an den Vermieter.
  3. Für die Wohnungseinrichtung gibt es einen Zuschuss, der bar ausgezahlt werden kann. Unbedingt nachfragen, falls nicht von allein darauf hingewiesen wird. Der Zuschuss hilft sehr, die am dringendsten benötigten Einrichtungsgegenstände und Haushaltgeräte (gebraucht) zu kaufen.
  4. Innerhalb einer Woche ab Beginn des Mietvertrags ist die Ummeldung beim Einwohnermeldeamt zu erledigen. Die dazu erforderliche Bescheinigung wird vom Vermieter zusammen mit dem Mietvertrag ausgehändigt.
  5. Es muss schnellstmöglich ein Vertrag mit einem Strom- und ggf. auch mit einem Gasanbieter geschlossen werden. Die Sachbearbeiter im Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal empfehlen die hiesigen WSW (Wuppertaler Stadtwerke). Finde ich aber auch okay, weil man das dann direkt in einer Geschäftsstelle regeln kann. Ist der Vertrag abgeschlossen und vom Ressort bewilligt, werden die Abschläge monatlich direkt an den Energieversorger gezahlt.

Weihnacht 2015

Weihnachtsengel_2015Nun rücken wir allüberall eng zusammen,
mästen die Bäuche, die ohnehin strammen,
aus Töpfen und Pfannen sieht man es dampfen
üppigen Festtagsschmaus gibt es zu mampfen.

Womit nicht mehr vieles zu sagen bliebe
über den christlichen Festakt der Liebe,
außer, dass wir Geschenke und Gaben,
großzügig ebenfalls eingekauft haben.

Es ist Weihnachten, wir reden vom Frieden
der uns hierzulande tatsächlich beschieden,
allen anderen gönnen wir ihn zwar auch –
so ist das nun mal an Weihnachten Brauch –,

… aber bitte dankesehr ohne die Flüchtlingskrise,
weil diese uns und Europa die Stimmung vermiese.
Und wenn die Geflüchteten Frieden wollen,
sie ihn gefälligst im eigenen Land finden sollen.

Oder irgendwo anders, Hauptsache nicht hier,
deren Kriege sind doch wohl kaum unser Bier.
Wo käme man hin, würden alle herkommen.
Soweit die Gedankengänge, die frommen,

besorgter Menschen, die an Heiligabend
an Gans und Ente und Karpfen sich labend
so inbrünstig singen vom Frieden auf Erden.
denn es wird wieder Weihnachten werden …

Helfen bei der Wohnungssuche

Willkommen_in_CronenbergDrei Monate und eine Woche sind vergangen, seit ich den Beitrag Willkommen heißen über die Ankunft der ersten Flüchtlinge am Schulzentrum Süd in Wuppertal Küllenhahn veröffentlichte. Danach habe ich nichts mehr zu diesem Thema geschrieben, geschehen ist trotzdem vieles. Zusammen mit vielen anderen bin ich bei Willkommen in Cronenberg als ehrenamtliche Lehrkraft mit Sprachkursen aktiv geworden. Es ist nur ein kleiner Beitrag für jeden einzelnen von uns gewesen, aber gemeinsam haben wir hunderte Unterrichtsstunden organisiert. Als sich unsere Gruppe gerade strukturiert hatte, folgte urplötzlich in einer Art Nacht- und Nebelaktion die Registrierung, Danach erhielten die Landesflüchtlinge den Status Kommunale Flüchtlinge und wurden verschiedenen Kommunen zugewiesen. Einige blieben in Wuppertal, für andere ging es z. B. nach Bonn und Bielefeld. Von heute auf morgen waren unsere Sprachschülerinnen und -schüler weg. Wen man wohin geschickt hatte, erfuhren wir nicht. Wir bedauerten es sehr, dass wir uns nicht hatten verabschieden können.

Von den vielen Betten in der Notunterkunft, die zwischenzeitlich in ein leerstehendes Fabrikgebäude an der Hastener Str. umgezogen war, wurden vorerst nur wenige mit Neuankömmlingen belegt. Es stellte sich heraus, dass nun ein Überangebot an Sprachkursen bestand, da die kommunalen Flüchtlinge zertifizierte Sprachkursangebote wahrnehmen. Einige unserer Schüler durften in Wuppertal bleiben. Die Stadt Wuppertal hat mehrere Häuser in einem Viertel gekauft, das eh schon sozialer Brennpunkt ist, und stopft nun die Wohnungen mit kommunalen Flüchtlingen voll. Statt Deutsch zu unterrichten, helfen wir nun einigen Geflüchteten bei der Wohnungssuche, denn die Verhältnisse im Wohnghetto sind menschenunwürdig.

Die Erfahrungen, die wir bei der Suche nach einer Wohnung für noch nicht offiziell anerkannte Flüchtlinge bislang gemacht haben, können vielleicht für andere hilfreich sein. ACHTUNG: Nach der Anerkennung ändern sich Zuständigkeiten und Ablauf, denn dann muss  das Jobcenter die Wohnung bewilligen.

Uns war z. B. zunächst nicht klar, ob es Flüchtlingen mit einer Aufenthaltsgenehmigung von 6 Monaten überhaupt erlaubt ist, eine eigene Wohnung zu beziehen.
Fakt ist: Ja, sie dürfen, wenn sie aus Syrien geflüchtet sind. Es wird ihnen sogar nahegelegt, sich eine Wohnung zu suchen.
Sie bekommen einen Zettel in die Hand, wie groß die Wohnung pro Person sein darf (50 m2) und welche Kaltmiete maximal genehmigt wird (z. B. 240 Euro für eine Person). Der „ungeklärte Aufenthaltsstatus“ ist Vermietern gegenüber natürlich erklärungsbedürftig. Ich habe beim zuständigen Wuppertaler Ressort für Zuwanderung und Integration angerufen und erfahren, dass es in der aktuellen Situation Monate, vielleicht sogar mehr als ein Jahr dauern kann, bis der Asylantrag genehmigt wird. Bei Syrern sei aber klar, dass sie immer wieder einen neuen Verlängerungsstempel erhalten, solange Krieg im Land herrscht. So können wir das auch den Wohnungseigentümern, Vermietern und Hausverwaltern kommunizieren.

Eine weitere offene Frage: Erhalten Flüchtline einen Wohnberechtigungsschein, um eine öffentlich geförderte Wohnung beziehen zu können? Hier lautet die Antwort: Nein, sie haben keinen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, solange sie nicht anerkannt sind. Erst nach dem positiven Bescheid durch das BAMF kann ein WBS ausgestellt werden. Das ist insofern fatal, als niedrige Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt viel seltener anzutreffen sind als beim sozialen Wohnungsbau. Aber es gibt eine Chance: Bei einer ungeklärten Aufenthaltssituation als Asylsuchender kann das zuständige Ressort der Stadt Wuppertal den Antrag auf Erteilung einer Freistellung einer geförderten Wohnung genehmigen. Dieser Antrag ist vom Eigentümer oder der Hausverwaltung auszufüllen und zu unterschreiben, dann darf – nach dem Okay durch den Sachbearbeiter – die Wohnung auch ohne Wohnberechtigungsschein an einen Flüchtling vermietet werden.

Deutet sich der Erfolg einer Wohnungssuche an, zeigt sich der Eigentümer also offen dafür, die Wohnung an einen Flüchtling zu vermieten, muss er ein Formular für das Wohnungsangebot ausfüllen. Das ist die Bescheinigung des Vermieters zur Vorlage bei der Bewilligungsbehörde Ressort Zuwanderung und Integration in Wuppertal, An der Bergbahn 33 (Update 2018: jetzt Haus der Integration an der Friedrich-Engels-Allee). Wenn die Wohnung preislich und quadratmetermäßig passt, wird die Kostenübernahme in der Regel spätestens nach 3 Tagen zugesagt. Diese Zusage braucht dann wiederum der Vermieter, und das möglichst rasch, denn der Flüchtling ist ja nicht der einzige Bewerber. Sind andere schneller, war’s das dann vielleicht, Chance vertan. Dienstags ist die zuständige Etage 4 für wirtschaftliche Hilfe komplett geschlossen, weswegen wir am denkbar ungünstigsten Tag dort vorsprechen wollten. Üblicherweise wird die Genehmigung per Post verschickt, was zu weiteren Verzögerungen führen kann. Deswegen ist es besser, eine persönliche Abholung zu vereinbaren und ruhig auch schon nach zwei Tagen auf der Matte zu stehen. Mit Glück ist das Wohnungsangebot dann schon bearbeitet und genehmigt, mit Pech muss man einen Tag später den Weg noch einmal auf sich nehmen.

Ist man endlich im Besitz der Bewilligung, braucht der Vermieter neben einer ausgefüllten Selbstauskunft noch eine Kopie der Bescheinigung über die Meldung als Asysuchender. Und dann heißt es hoffen, dass die Wohnung in der Zwischenzeit nicht anderweitig vergeben wurde. Kurz vor dieser Phase befinden wir uns gerade, genauer gesagt, ist morgen der Tag 2, an dem vielleicht die Bewilligungsbehörde schon die Kostenübernahme zugesagt hat. Spätestens Freitag aber wird es ernst, dann werden wir bald wissen, ob wir es geschafft haben! Wie wird danach es weitergehen, so ohne Möbel, ohne irgendetwas? Auch dafür und für Strom- und Gaszahlungen gibt es wirtschaftliche Hilfe … man muss sich nur gemeinsam durchwühlen.