Künstliche Intelligenz als Autor / Autorin nutzen

Chatbots wie Chat GPT (GPT = Generative Pre-trained Transformer), die bei der textbasierten Kommunikation künstliche Intelligenz einsetzen, wirken sich bereits jetzt auf die Arbeit von Texter:innen und Autor:innen aus.

Anfang Juni 2023 wurde ich zum Autorengremium nach Mainz eingeladen. Nicht in meiner Eigenschaft als Schriftstellerin und Roman- bzw. Krimiautorin, sondern als langjährige 5-Sterne-Autorin eines großen Onlineportals, über das Unternehmen, Agenturen und Einzelpersonen Autor:innen für überwiegend nicht-fiktionale Texterstellung aller Art beauftragen. Es ging um den Einfluss von KI (Künstliche Intelligenz) bzw. AI (Artifizielle Intelligenz) und Chatbots auf die gesamte Branche.

Schon heute werden nicht nur zahlreiche Texte mithilfe von ChatGPT verfasst, sondern auch erste Bücher. Mit weiterentwickelten Programmen wird die Zahl solcher Bücher steigen. Die „literarische“ Sparte wird hier eher nicht betroffen sein, sondern z. B. Fachbücher. Was Fachbücher und Fachtexte anbelangt, sind aktuelle Programme – auch die kostenpflichtige, verbesserte Weiterentwicklung GPT 4 – wegen der zweifelhaften Genauigkeit und Fehleranfälligkeit der Antworten jedoch (noch) keine verlässlichen Quellen. GPT ist nicht mit dem Internet verbunden, er verfügt nicht über den tagesaktuellen Informationsstand. Die kostenlose, ältere Version von Chat GPT beantwortet die Frage nach der Aktualität der Informationen wie folgt:

Mein Informationsstand reicht bis zum Jahr 2021. Ich wurde mit Daten und Informationen trainiert, die bis zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren. Es ist möglich, dass ich einige Informationen über Ereignisse oder Entwicklungen, die nach 2021 stattgefunden haben, nicht kenne.

Typisch ist die vage Formulierung „Es ist möglich, dass ich einige Informationen über Ereignisse oder Entwicklungen, die nach 2021 stattgefunden haben, nicht kenne.
Hier wird das Problem deutlich: Diese Version von GPT kennt Entwicklungen nach 2021 definitiv nicht. Doch da die KI immer versucht, eine relevante Antwort zu liefern, formuliert der Chatbot teils schwammig und halluziniert mitunter (noch). KI-Halluzinationen sind Unwahrheiten – verzerrte oder faktisch falsche Darstellungen, die plausibel klingend in Inhalte eingebaut werden, oftmals inklusive nicht existenter Belege und Verweise wie Fake-Links. Daher bedarf es einer Kontrolle sämtlicher Antworten. 

Zurück zum Thema Bücher. Wir steuern auch auf Kriminal- und Liebesromane zu, die mithilfe von Chatbots verfasst werden. Geeignet ist im Grunde alles, was gängigen Mustern folgt, so ein Buchwissenschaftler. Es gibt längst die ersten Ratgeber hierzu, z. B. Schreiben mit ChatGPT für Autorinnen und Autoren: Von der Ideenfindung bis zur Vermarktung (Sandra Uschtrin). Darüber hinaus Workshops, Seminare und Webinare in Hülle und Fülle – das Thema ist allgegenwärtig. So mancher ist bereits in Goldgräberstimmung: Wie verlockend, Texte aller Art bis hin zu kompletten Romanen geschwind erstellen zu lassen. Dann nur noch ein bisschen Feinschliff und ab damit.

Aber Moment: So einfach ist es dann doch nicht! Schon rein rechtlich nicht. Was ist z. B. mit dem Urheberrecht? Was mit der Haftung bei rechtswidrigen oder schädlichen Inhalten durch eine KI? Und ist das, was die KI generiert – von der Recherche über Kapitelstruktur, Plots, einzelne Szenen bis hin zum fertigen Buch, das Autor:innen ein wenig individualisiert unter ihrem Namen veröffentlichen oder als Manuskript einem Verlag anbieten – eigentlich das eigene geistige Eigentum? Jeder, der diese neue, sich rasant fortentwickelnde Technologie nutzt, sollte wissen, dass viele rechtliche Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind.

Nun zu meinem Experiment mit der Free-Version von Chat GPT. Ich habe den Chatbot mit einem Romananfang gefüttert. Die Szene gehört zu einem längst verworfenen Plot für meine humorvolle Krimireihe „Ein Fall für Rosa Fink“. Was ich vom Chatbot wollte und wie das Experiment ausging, erläutere ich in diesem Blogbeitrag.

Zunächst fütterte ich den Chatbot mit meiner alten, nicht mehr für eine Veröffentlichung in der Reihe benötigte Krimiszene:

»Du kennst doch unseren Frauentrainer Johannes?«
Selbstverständlich kannte Rosa Johannes. Seinetwegen hatte sich der Frauenanteil in Sebis Schachverein Mattjäger beträchtlich erhöht. Bevor er dazugestoßen war, gab es nur eine Mattjägerin, die deutschstämmige Spätaussiedlerin Olga. In Russland war das Schachspiel keine Männerdomäne, sondern Volkssport und Pflichtfach an den Schulen. Jahrelang hatte die fünfzigjährige Olga als einzige Frau bei den Mattjägern am Brett gesessen, aber inzwischen zählte der Verein neun weibliche Mitglieder. Alle neu hinzugekommenen Frauen waren jung, hübsch und an Schach nur peripher interessiert. Ihr vorrangiges Interesse galt dem Trainer.
Rosa konnte das nachvollziehen. Johannes war eine Augenweide, dazu intelligent, wortgewandt, charmant – und ein Gockel. Er schaffte es souverän, jeder seiner Hennen das eine oder andere Körnchen Hoffnung zum Aufpicken zuzuwerfen. Der Hahn im Korb hielt sie alle bei der Stange, obwohl er vor ein paar Monaten Carlotta kennengelernt hatte und nun kein Single mehr war.
»Was für eine Frage! Klar kenne ich Johannes. Warum?«
»Er ist verschwunden. Ich habe versucht, ihn anzurufen, aber sein Handy ist tot. Nachrichten scheint er zu ignorieren. Carlotta ist auch nicht zu erreichen.«
»Na ja, die Sommerferien haben begonnen. Er ist Lehrer, wahrscheinlich sind sie verreist.«
»Nein, das wüsste ich. Er wollte auf jeden Fall zum letzten Training vor der Sommerpause kommen. Leider hat die Damenmannschaft vergeblich auf ihn gewartet. Ich versteh das nicht. Johannes ist zuverlässig, so etwas sieht ihm nicht ähnlich. Und außerdem …«
»Außerdem was?«, fragte Rosa mit einem Anflug von Ungeduld.
»Sein Mitbewohner hat ihn seit zwei Tagen nicht gesehen.«
»Dann hat er sich wohl bei Carlotta einquartiert und die beiden haben die Handys ausgeschaltet, um ungestört zu tun, was Frischverliebte eben tun.«
»Die Damenmannschaft würde er darüber nicht vergessen.«
»Ach nein?«
»Okay, kommt drauf an.« Sebi grinste.
Rosa verzichtete auf die Nachfrage, worauf es seiner Meinung nach ankäme und schlug vor: »Wir wollen doch gleich in die Stadt fahren und Carlottas Wohnung liegt quasi auf dem Weg. Also checken wir, ob sie zu Hause ist. Die Sache wird sich bestimmt schnell klären.«
© Manuela Sanne

Ich forderte ChatGPT auf: Denke dir einen neuen Anfang mit einem anderen Kriminalfall im ähnlichen Stil aus.

Die Regentropfen prasselten in einem gleichmäßigen Rhythmus auf das Pflaster der dunklen Gasse. Detective Smith zog den Kragen seiner verwaschenen Trenchcoat hoch und schob die Hände tief in die Taschen, während er den Schauplatz des Verbrechens betrachtete. Vor ihm erstreckte sich ein morbides Bild – ein einsamer Leichnam, der reglos auf dem kalten Boden lag.
Der Tote war kein Unbekannter in der Unterwelt. Tony „Der Schatten“ Marino, ein skrupelloser Gangsterboss, hatte die Stadt jahrelang fest im Griff gehabt. Doch jemand hatte ihn zum Schweigen gebracht. Die Frage war: Wer?
Smith kannte die düsteren Geheimnisse der Stadt, und er wusste, dass die Antwort auf diese Frage den Schlüssel zur Lösung des Falls enthielt. In den Straßen von Midnight City sprachen die Wände nicht, und diejenigen, die sprachen, hatten oft etwas zu verbergen.
Als Smith die schummrige Bar betrat, drängten sich düstere Gestalten an den Tresen und flüsterten in gedämpften Stimmen. Der Gestank von Zigarettenrauch und Alkohol hing in der Luft. Er steuerte auf den Barkeeper zu, ein abgebrühter Mann mit tiefen Falten im Gesicht.
„Du kennst doch unseren Stammgast, Tony Marino?“, fragte Smith und fixierte den Barkeeper mit einem durchdringenden Blick.
Der Barkeeper nickte langsam und senkte seine Stimme zu einem Flüstern. „Klar, jeder kannte Tony. Aber wenn du mich fragst, ist das hier keine gewöhnliche Auseinandersetzung. Das hat das Zeichen eines Racheakts.“

Die Worte des Barkeepers ließen Smiths Puls rasen. Racheakte waren selten subtil, aber sie bargen immer eine persönliche Note. Jemand hatte sich an Tony gerächt, doch wer war der Täter?
Smith verließ die Bar und steuerte seinen alten, rostigen Wagen an. Während er durch die verregneten Straßen fuhr, durchleuchtete er die Akten derer, die einen Groll gegen Tony gehegt hatten. Einer davon war Johnny „Der Schattenjäger“ Russo, ein ehemaliger Verbündeter, der sich verraten fühlte. Aber Russo war seit Monaten hinter Gittern.
Es musste jemand anderes sein. Jemand, der im Schatten lauerte und auf den richtigen Moment gewartet hatte, um Tony aus dem Weg zu räumen. Smith spürte, dass er der Lösung näher kam. Er war bereit, die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Mörder zur Strecke zu bringen.
Die Nacht in Midnight City war noch jung, und der Regen fiel weiterhin hart vom Himmel. Smith fuhr mit eisernem Willen und Entschlossenheit voran. In den finsteren Straßen würde er die Antworten finden, um den mysteriösen Mord an Tony „Der Schatten“ Marino aufzuklären. Es würde kein einfacher Fall werden, aber Smith war fest entschlossen, die Dunkelheit zu vertreiben und die Gerechtigkeit wiederherzustellen.
© ? (ChatGPT)

Das unbrauchbare erste Ergebnis überrascht wenig. Dies ist vor allem auf den ungenauen Prompt zurückzuführen. Prompt ist der textbasierte Input, zu dem GPT den Output erzeugt. Unabhängig davon hat GPT aber auch stilistisch nicht das Gewünschte abgeliefert, zudem ist der Text mit englisch/amerikanischem Setting stereotyp, vage, wiederholend (orange markiert) und enthält Fehler (rot markiert). Ich spezifiziere:

Leider erkenne ich keine stilistische Ähnlichkeit. Außerdem vergaß ich zu erwähnen: Das Setting des Kriminalromans ist die deutsche Nordseeküste. Bitte versuche es noch einmal.

Ein rauer Wind peitschte über die Nordseeküste, während Kriminalkommissar Müller die Klippen entlangspazierte. Der Nebel hing tief und verschleierte die Umgebung, und die Geräusche der Brandung wurden vom heulenden Sturm übertönt. Doch Müller ließ sich von den widrigen Bedingungen nicht abhalten – er hatte einen Fall zu lösen.
Eine renommierte Schmuckdesignerin war spurlos verschwunden. Helene von Hohenstein, eine elegante und geheimnisvolle Frau, hatte in der kleinen Küstenstadt Wykton ihre Werkstatt und Galerie betrieben. Doch seit Tagen gab es kein Lebenszeichen von ihr. Die Einheimischen tuschelten, dass dunkle Geheimnisse die Stadt heimsuchten.
Müller betrat Helenes verlassene Werkstatt und ließ seinen Blick über die kunstvollen Schmuckstücke schweifen. Es waren wahre Meisterwerke, jedes mit einer eigenen Geschichte und Bedeutung. Doch unter der Oberfläche der Eleganz spürte er eine finstere Atmosphäre, als ob die Schmuckstücke etwas zu verbergen hätten.
Sein Handy klingelte und riss ihn aus seinen Gedanken. Es war sein Partner, Detective Hansen, der sich um die Hintergrundrecherche kümmerte.
„Kommissar, ich habe einige interessante Informationen über Helene von Hohenstein gefunden“, sagte Hansen mit gedämpfter Stimme. „Es scheint, als ob sie eine Vorliebe für okkulte Rituale und Geheimbünde hatte. Es gibt Gerüchte über mysteriöse Treffen und dunkle Zeremonien, die in den einsamen Nächten dieser Küste stattfanden.“
Müller runzelte die Stirn. Das erklärt vielleicht die geheimnisvolle Aura, die die Stadt umgibt, dachte er. Er beschloss, sich näher mit Helenes Umfeld zu befassen und diejenigen zu befragen, die sie kannten.
In einer alten Teestube traf er auf Martha, eine ältere Dame, die als Helenes enge Vertraute galt. Ihr runzeliges Gesicht und ihre klaren Augen verrieten eine tiefe Weisheit.
„Du kennst doch unsere Helene, nicht wahr, Kommissar?“, sagte Martha mit einem leichten Lächeln. „Sie war eine außergewöhnliche Frau, begabt und voller Geheimnisse. Doch ihr Schicksal ist in den Händen einer anderen Welt.“
Müller horchte auf. „Was meinst du damit, Martha?“
Martha seufzte und fuhr fort: „Wykton ist ein Ort mit alten Legenden und Geschichten. Hier gibt es Kräfte, die jenseits unseres Verständnisses liegen. Helene hatte eine Verbindung zu diesen Mächten, aber manche behaupten, dass sie von ihnen verschlungen wurde.“
Die Worte ließen Müller einen Schauer über den Rücken laufen. War Helene von Hohenstein einem dunklen Schicksal erlegen? Und wenn ja, wer oder was war dafür verantwortlich?
Die Ermittlungen hatten gerade erst begonnen, und der Nebel der Geheimnisse und Legenden umhüllte Müller wie eine undurchdringliche Wand. Aber er war entschlossen, die Wahrheit …
© ? (ChatGPT)

GPT hat nun zwar wie gewünscht die Handlung an der Nordseeküste angesiedelt, ist aber weiterhin in seinem ganz eigenen Film. Die KI weiß nach meinem kurzen Text-Input nicht, was ich von ihr will. Sie versucht nun, eine düstere und geheimnisvolle Spannung zu erzeugen, die zu einem Kriminalfall passen könnte. Stilistisch keine Annäherung, wieder stereotyp, ungenau und wiederholend, außerdem immer noch im Englischen verhaftet (Detective) – wahrscheinlich wurde der Chatbot überwiegend mit englisch/amerikanischen Krimis trainiert.Mein Feedback an den Chat GPT:

Schon besser, aber es fehlt noch der humorvolle Ton.

Ein rauer Wind peitschte über die Nordseeküste und spielte mit Kriminalkommissar Müllers toupiertem Haar. „Verdammt, das nenn‘ ich mal eine Windfrisur“, murmelte er und kämpfte gegen die widerspenstigen Strähnen an.
Mit einem ironischen Grinsen auf den Lippen betrat er die verlassene Werkstatt der verschwundenen Schmuckdesignerin Helene von Hohenstein. „Na, wer braucht schon eine Geisterbahn, wenn man diese Atmosphäre hier haben kann?“, witzelte er und versuchte vergeblich, den knarrenden Boden unter seinen Füßen zu ignorieren.
Sein Handy klingelte und er zog es mit einem theatralischen Seufzer aus der Tasche. „Hansen, mein Lieblings-Detektiv. Was gibt’s Neues?“
„Hör zu, Chef, ich habe ein paar interessante Informationen über die gute alte Helene gefunden“, sagte Hansen mit einem Hauch von Schelmerei in der Stimme. „Es stellt sich heraus, dass sie ein großer Fan von Geheimbünden und okkulten Ritualen war. Vielleicht hat sie sich einfach in Luft aufgelöst, um an einem dieser mysteriösen Treffen teilzunehmen.“
Müller konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Na, dann sollte ich wohl besser meinen Zauberstab und meinen schwarzen Umhang mitnehmen, um mich einzufügen. Wer weiß, vielleicht habe ich Glück und werde zum Ehrenmitglied eines Geheimbundes.“
Hansen lachte. „Chef, Sie sollten wirklich Comedy-Autor werden. Ihre Späße könnten jedes Verbrechen aufheitern.“
Gut gelaunt ging Müller weiter durch die Werkstatt und nahm jedes noch so winzige Detail unter die Lupe. „Na, wer hier seinen Schmuck nicht gut versteckt hat, wird bestimmt Ärger bekommen“, neckte er die unsichtbare Helene.
Plötzlich vernahm er ein seltsames Knistern hinter sich. Er wirbelte herum, sein Blick traf auf eine Puppe mit funkelnden Augen. „Okay, das ist definitiv ein Fall für die X-Akten“, scherzte er und beobachtete amüsiert, wie die Augen der Puppe im Dämmerlicht leuchteten.
Die Ermittlungen waren noch lange nicht abgeschlossen, und Müller genoss jede Minute dieses seltsamen Krimis an der Nordseeküste. Mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen machte er sich auf den Weg, die Geheimnisse zu lüften und das Rätsel um Helene von Hohenstein zu entschlüsseln.
Denn wenn es eine Sache gab, die Kriminalkommissar Müller liebte, dann war es ein bisschen Mysterium und eine Prise Humor in seinen Ermittlungen.
© ? (ChatGPT)

Schon nach diesen drei Ergebnissen sind die Muster klar erkennbar. Menschliche Leser/innen können bei entsprechender Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für Merkmale von KI-Texten übrigens verlässlicher Anhaltspunkte erkennen, dass der Text generiert wurde, als die aktuell verfügbaren KI-Text-Detektoren. Es gibt davon einige auf dem Markt, und egal ob kostenlos oder bezahlpflichtig: Sie sind im Erkennen von KI-generierten Texten nur bedingt sicher. Einfach einmal selbst verfasste KI-freie Blogbeiträge, Sachtexte oder einen beliebigen eigenen individuellen Text eingeben, und staunen: Es kann vorkommen, dass hohe Wahrscheinlichkeiten (70 % und mehr) für einen KI-Text angezeigt werden, obwohl der betreffende Text nachweislich kein KI-Text ist. GPT 4, aber auch die ältere Free-Version, würde bei exaktem und umfassendem Prompt zwar bessere Ergebnisse bringen, dennoch aber stereotyp und nach „Rhythmus & Schema F“.

Zurück zu dem, was die KI unter humorvollem Krimi versteht (und dabei meinen Stil immer noch nicht ansatzweise nachahmt): sehr bemüht, unwitzig, nach wie vor wiederholend, stereotyp – die Merkmale, die in diesem Fall eindeutige Hinweise auf einen KI-generierten Text geben.

Könnte ich als Autorin die KI-Fassung für meinen Krimi verwenden, wenn mir die Inspiration mit der verschwundenen Schmuckdesignerin an der rauen Nordseeküste gut gefiele?

Falls ich das wollte, müsste ich einiges an Arbeit investieren – die Szene hätte ich ohne KI schneller (und besser) geschrieben. Ein erster, flott dahingeschriebener Versuch, den KI-Text zu individualisieren:

Ein rauer Wind peitschte über die Nordseeküste und zerrte an Rosas mühsam gebändigten Locken. Sie ärgerte sich kurz, aber verschwendete dann keinen weiteren Gedanken an die zerzauste Windfrisur. Dazu war jetzt einfach keine Zeit, denn sie hatte ihr Ziel erreicht.
Mit einem mulmigen Gefühl betrat Rosa die verlassene Werkstatt der verschwundenen Schmuckdesignerin Helene von Hohenstein. Sie versuchte, möglichst leise zu sein, scheiterte aber kläglich an den knarrenden Holzdielen.
Ausgerechnet jetzt vibrierte auch noch ihr Handy. Sie zog es aus der Tasche und nahm das Gespräch nach einem Blick aufs Display an. »Flori! Was gibt’s Neues?«
»Hör zu, Rosa, ich habe ein paar interessante Informationen über die gute alte Helene gefunden. Wie es aussieht, ist sie ein großer Fan von Geheimbünden und okkulten Ritualen.« Der Oberkommissar ließ diese Worte eine Sekunde wirken, bevor er in typischer Manier herumblödelte: »Bestimmt hat sie sich einfach in Luft aufgelöst, um an einem dieser mysteriösen Treffen teilzunehmen.«
»Na, dann solltest du wohl besser deinen Zauberstab und deinen schwarzen Umhang mitnehmen, um sie aufzuspüren. Wer weiß, vielleicht hast du Glück und wirst dabei zum Ehrenmitglied eines Geheimbundes.«
Flori lachte glucksend. »Es geht doch nichts über ein bisschen Spaß bei der Arbeit. Gut, dass wir da auf einer Wellenlänge sind. Wo bist du eigentlich?«
»Schon in den heiligen Hallen. Meine Güte, ich hatte keine Vorstellung, wie riesig die Werkstatt ist.«
»Rosa, das ist mein Job. Anstatt auf mich zu warten, dringst du da einfach unbefugt ein. Verdammt, damit kannst du dir mächtig Ärger einhandeln. Und mich wird mein neuer Chef auch zur Schnecke machen, wenn das rauskommt … «
Während Flori schimpfte, sah Rosa sich in dem mit einer Unmenge seltsamer Gerätschaften gefüllten Raum um. Plötzlich vernahm sie ein Poltern hinter sich. Sie wirbelte herum und schaute in glühendrote Pupillen. Das Glühen erlosch, dann war es wieder da. Nach der ersten Schrecksekunde erkannte sie, dass es sich um die im Dämmerlicht leuchtenden Augen einer Puppe handelte. Sie trug ein Rüschenkleid, war so groß wie ein Kindergartenkind und sah auch so aus wie ein echtes Kind aus Fleisch und Blut. Total gruselig. Wahrscheinlich hatte das Puppenkind auf einem der oberen vollgestopften Regalbretter gesessen und war heruntergefallen. Dabei hatte sich wohl der Leucht-Mechanismus eingeschaltet – das war die einzig logische Erklärung. Rosa japste ins Handy: »Okay, hast ja Recht. Ich schleich mich wieder raus und warte vor der Tür auf dich!«
»Besser ist das«, kommentierte Flori, bevor er auflegte.
Obwohl Rosa darauf brannte, endlich das Rätsel um die verschollene Helene von Hohenstein zu entschlüsseln, atmete sie auf, als sie wieder draußen im  Wind stand. Die Werkstatt war wirklich spooky!

© Manuela Sanne / ChatGPT (?)

Immer noch etwas holprig, aber so finde ich die Szene einigermaßen okay.

Fazit

Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein – und die Uhr tickt rasend schnell! – bis die textbasierte KI mit professionell erstellten Prompts solide einfache, festen Genre-Regeln folgende Roman-Rohfassungen erstellen kann. Geht es um das Niveau von den guten alten „Groschenromanen“ oder anderen, sehr schlichten Formen, ist sie dazu schon in der Lage. Texter:innen und Autor:innen populärer Unterhaltungsgenres sollten wissen, was KI aktuell leistet, was noch nicht – auch im Hinblick auf die Recherche, deren Ergebnisse falsch sein können – und sich der rechtlichen Grauzone bewusst sein, die Veröffentlichungen mit KI betrifft. Nehmen wir das Beispiel der von mir überarbeiteten Krimiszene, die auf dem Text basiert, den ein Chatbot ausgespuckt hat. Ist der Text mein geistiges Eigentum, nachdem ich ihn bearbeitet habe? Wie sieht es mit der Schöpfungshöhe aus? Ist ein Hinweis erforderlich, z. B. mit Unterstützung durch ChatGTP?

Ausblick

Möglicherweise wird es zukünftig „Trusted“-Siegel für KI-freie Populärliteratur geben. Oder auch Transparenz in Form von Vermerken, dass ein Werk mit Unterstützung durch KI erstellt wurde. Ich bin selbst sehr gespannt, wie weit die Reise in den nächsten 10 Jahren geht.

Echtheits-Versprechen😉

Dieser Artikel stammt zu 100 % von mir, der Autorin und Texterin Manuela Sanne („Taltexte“), abgesehen von den zur Veranschaulichung generierten gekennzeichneten ChatGPT-Passagen.

Neue Buchreihe: Autoren der Region

Hufnagel_CoverDen ersten Beitrag im neuen Jahr widme ich einem ganz aktuellen Projekt: dem Start einer Buchreihe der Edition Köndgen. Ausgewählte Autorinnen und Autoren der Region sollen bei der Veröffentlichung ihrer Werke unterstützt werden. Denn so einfach es auch in Zeiten von BoD, Epubli und E-Books theoretisch zu sein scheint, in Eigenregie ein Buch herauszubringen – das Ergebnis ist nicht immer überzeugend. Wer auf ein Lektorat verzichtet, das Layout selbst bastelt, die Auswahl des Coverfotos eher dem Zufall überlässt und glaubt, auch ohne Marketing in der Masse der Publikationen Beachtung zu finden, verschenkt viele Möglichkeiten. Zudem wirkt das Ergebnis meistens unprofessionell, auch wenn das Manuskript Potenzial gehabt hätte.

Mit der neuen Reihe bietet die Edition Köndgen Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Genres aus dem Bergischen Land Hilfestellung durch Qualitätskontrolle. Von der ersten Einschätzung des Manuskripts über Korrektorat, Lektorat, Konzept, Drucklayout, Satzarbeiten, Umschlaggestaltung, Druck und Datenmanagement bis zu Marketing, Vertrieb und Pressearbeit. Die Auswahl der Titel, die für eine Veröffentlichung in der Edition Köndgen infrage kommen, behält sich der Verlag vor. Autorinnen und Autoren, deren Manuskripte ins Verlagsprogramm passen, bietet die Edition Köndgen eine interessante Kooperation an.

Den Auftakt der neuen Reihe macht im Februar mit „Forellen rauchen nicht“ ein Autor aus Schwelm. Klaus Hufnagel ist Preisträger des Wettbewerbs „Wuppertal schreibt“ 2010. Einige seiner Erzählungen aus den vergangenen 10 Jahren wurden in verschiedenen Anthologien veröffentlicht. Die hier erstmals in einem Band gesammelten Kurzgeschichten handeln von den Unwägbarkeiten und Tücken des Lebens nach der Lebensmitte. Das Buch, für das ich das Lektorat übernommen habe, erscheint im Februar als erster Band der Buchreihe „Autoren der Region“ in der Edition Köndgen.

Einen kleinen Vorgeschmack gibt es bereits am 25. Januar anlässlich einer musikalisch-literarischen Veranstaltung im Ibachhaus, der Kulturfabrik in Schwelm. Konzertpianistin Eniklö Mikosch und Autor Klaus Hufnagel tun sich dort zu einem Wechsel zwischen Klavierstücken alter Meister und kurzen Erzählungen aus der „Überlebensmitte“ zusammen.

UPDATE 28.02.2013:
Gute
Presseresonanz nach der offiziellen Buchvorstellung in Barmen und Schwelm.
Neben kleineren Artikeln in der Westfälischen Rundschau und der Wuppertaler Rundschau berichteten die Wuppertaler und Schwelmer Zeitungen ausführlich:
Autor Klaus Hufnagel: Von Bismarck und den Turteltauben (WZ 27.02. 2013)
Geschichten zum Lachen und Nachdenken (WAZ Schwelm 19.02.2013)