Blassgrün

Ganz ohne dich zu genieren,
gehst du eben mal demonstrieren!
Quetscht dich in die Hose mit Schlag,
die im Sack auf dem Speicher lag,
„Nein danke“ kommt ans T-Shirt dran,
zufrieden sagst du: “Ja ich kann
es noch!”  Steigst in den Zug nach Kölle,
da geht es heute ab wie Hölle.
Triffst alte Kameraden,
kann bestimmt nicht schaden,
sich wieder aktiv zu fühlen,
das lauwarme Mütchen kühlen.

Früher lagst du auf der Schiene,
heute machst du gute Miene
klopfst nur hohle Ökosprüche,
anderes ging in die Brüche:
Moral, Gesinnung, Köpfchen, Mut
jahrzehntelang ging’s ohne gut.
Bequemlichkeit hieß die Devise
gegen jede Lebenskrise,
und der Garten ist schön grün –
Du hast dir schon längst verziehn.
Bist angestellt bei RWE,
tat anfangs zwar ein wenig weh…

…ist aber mal dein Job, na und,
irgendwo ist immer Schwund.
Dir schwand jeglicher Protest,
bis auf diesen kleinen Rest,
der sich jetzt bemerkbar macht,
was du heute bist verlacht,
dich dahin tritt, wo es schmerzt.

Und die Pein scheint ausgemerzt,
wenn du irgendetwas tust –
plötzlich wird dir das bewusst,
bist dir selber ziemlich fremd,
als du da so eingeklemmt
am Bahnhof in der Menge stehst
nach dem Wind die Fahne drehst.

©Reimerlei 2011