Philosophische Mittagsgespräche Vol I: Mutter, willst du ewig leben?

Beim Mittagessen (Pommes frisch geschnitzt aus Süßkartoffeln und normalen Kartoffeln, Tofu-Steaks und  – oh Schande  – Erbsen und  Möhren aus der Dose), fällt dem jüngsten Sohn des Reimerleischen Hauses mal wieder auf, wie alt seine Mutter ist.

„Mama, wenn du stirbst und ich bin noch nicht groß, passt dann meine Schwester auf mich auf?“

„Ganz bestimmt. Aber ich hoffe doch, dass ich noch so lange lebe, bis du groß bist.“

 

Beim Sohn Kauen und Schweigen.

„Mama, vielleicht lebst du noch, bis ich so ungefähr 10 oder 11 bin.“

„Ein bisschen älter möchte ich schon noch werden, ich möchte doch noch viel erleben.“

Beim Sohn leichtes Unverständnis: “ Ich bin 6 und habe schon sehr viel erlebt!“

Okay, das ist die richtige lässige Einstellung zum Thema Tod und Sterben. Mir ist nicht mehr viel vergönnt!

Macho mio

Liebes Katerchen im schwarzen Felle

Macho * 12/ 2000 † 16.09.2011

viele Namen hab‘ ich Dir gegeben,
hingerafft, ganz eilig, auf die Schnelle,
haute es Dich raus aus diesem Katzenleben.

Und Du bist nicht mehr, Du lustiger Machito,
den ich gern Konstantinopel nannte.
Schluss, vorbei und aus. Finito.
Als ob er im Spurt gen Himmel rannte …

Macho mio, Katris, liebstes Katertier
eben strichst Du mir noch um die Beine
hast gemaunzt. Und jetzt schon fehlst Du mir.
Ich bin traurig, wenn ich auch nicht weine.

Denn noch bist Du mir ja viel zu nah,
kann ich diesen Unglückstag nicht fassen,
diesen Morgen, an dem es so schnell geschah.
Total plötzlich hast Du uns verlassen.

Macholino, rund und etwas wohlgenährt
immer lustig, ständig einen Riesenappetit,
lebtest Du Dein Katzenleben unbeschwert,
bis vorhin. Als ob man einen Stecker zieht.

War es das Herz, traf Dich der Schlag?
Was es auch war, es brauchte nur Sekunden.
Beim Start in Deinen sonnigwarmen Katertag,
bist Du, Machito, aus der Welt verschwunden.

Vielleicht wirst Du woanders Mäuse jagen,
und hast ein schönes Plätzchen reserviert
im Katzenparadies, anmutig wie in jungen Tagen,
im weiten Himmel, der kein Tier jemals verliert.

Grüß mir die andern, solltest Du sie sehen,
wer weiß, wem Du begegnest in der Ewigkeit.
Ich streichle Dich und lasse Dich in Frieden gehen.
Es war zu früh. Und doch: Es war soweit.

Vorsorgliche Sinnfrage

Wenn Du noch einen Himmel hast,                                           
dann ist Dir freie Bahn beschieden.
Nicht mal der Tod ist Dir verhasst.
Du lebst und stirbst und bist zufrieden.

Hast Du ihn nicht, kommst Du ins Schwimmen,
denkst Du ans Leben, an den Tod …
Am Ende wird wohl etwas stimmen:
Die Abendwolken glühen rot.

Und wenn Du’s recht bedenkst und wendest
nachdem Dich Zweifel überfielen,
an ihn zu glauben …Wenn Du endest,
könnt‘ er doch eine Rolle spielen.

Für das „Gedichtespiel“  September 2011 verfasst aus den Vorgaben
Himmel – Bahn – schwimmen – spielen – rot