Sommer, Sonne und syrischer Humor …

… oder wenn in Deutschland die Hüllen fallen.

Clemensfranz | Villa Romana del Casale Bikini Maedchen. CC BY 2.5

Clemensfranz | Villa Romana del Casale Bikini Maedchen. CC BY 2.5

Als ich letztens meine syrischen Freunde um die Mittagszeit besuchte, war es sehr heiß. Die Sonne knallte gnadenlos, ich trug einen luftigen knielangen Rock und Spaghetti-Top. Solche Kleidung ist modernen Syrern aus Damaskus nicht fremd, haben sie alle schon mal gesehen, auch vor ihrer Flucht nach Deutschland. Aber die letzte Woche mit Temperaturen über 30° hat dann doch dazu geführt, dass der muslimische Mann als solcher kaum noch wusste, wo er hingucken sollte. So viel nackte Frauenhaut, das war definitiv eine leichte Überforderung. Ich kann das nachempfinden, denn auch ich ertrage den Anblick entblößter haariger Männerbeine und quellender nackter sonnenverbrannter Männerbäuche nur schlecht. Aber bitte, natürlich darf und soll jede_r tragen oder sich vom Leibe reißen, was sie oder er möchte – schön oder auch nur akzeptabel finden muss ich es nicht. Dennoch käme ich niemals auf die Idee, einer jungen oder auch nicht mehr so jungen Frau, die meint, mit kaum mehr als einer Unterhose bekleidet durch die Stadt spazieren zu müssen, da hineinzureden. Und ebenso wenig Bekehrungslust verspüre ich gegenüber einer Frau mit Kopftuch und Ganzkörperverhüllung. Die Burka, über die gerade so viel geredet wird, ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Und Männer in Sachen Kleiderordnung bekehren zu wollen, ist eh zum Scheitern verurteilt, oder hat ein einziger Mann jemals trotz Insistierens von außen seine Socken im Sommer ausgezogen, nur weil er Sandalen trug?

Ich kann nicht verstehen, warum angesichts der wahren Probleme in der Welt Kleidung die Gemüter so erregen kann – es sei denn, man möchte von eben diesen wirklichen Problemen ablenken. Wer über Burkas und die westlichen Werte debattiert, muss sich nicht mehr mit Kriegsverbrechen und Verantwortungen beschäftigen. Da trifft es sich doch gut, dem Volk eine Burka hinzuwerfen, mit der sich die eigentlichen Missstände und die eigene Verantwortungslosigkeit verschleiern lassen. Ich empfehle an dieser Stelle ganz ausdrücklich die Lektüre des Buches „Wer den Wind sät“ von Michael Lüders, einfach nur mal, um runterzukommen von dem hohen westlichen Ross.

Die Unaufgeregtheit und den Humor meines besten syrischen Freundes wünschte ich mir auch für uns Deutsche. Nachdem er mir erzählt hatte, wie verrückt er es findet, dass hier im Sommer alle halbnackt herumlaufen, meinte er augenzwinkernd: Aber Gott sei Dank, Alhamdulillah الحمد لل, Gott hat den deutschen Sommer kurz gemacht, eine Woche, fertig. Danach ziehen sich alle wieder Mantel, Mütze, und Schal an. 11 Monate Winter, wallah, والل. 😉

Melancholisches Poem an den Sommer 2012

Es war einmal ein Sommerregen,                      
der wurde immer schlimmer.
Durchdrang sogar – ich kann‘s belegen,
die Wand im Kinderzimmer.

Vom Regen, der mal leise nieselt,
mal sturzbachartig niederprasselt
fühl ich mich langsam angepieselt:
Der schöne Sommer ist vermasselt.

Es war einmal ein Sommerregen,
der störte ganz erheblich.
Die Hoffnung, sie war stets zugegen –
doch leider wohl vergeblich.

©Reimerlei 2012

Ein Sommeridyll

Grün der Park, mächtig der Baum

Vorwerk-Park Wuppertal - Quelle: Wikimedia

an den ich mich lehnte, verweilte.
Weit der Blick, die Aussicht ein Traum,
den ich nur mit mir allein teilte.

Romantisch das Buch, groß der Genuss
fern jeglicher Eile zu lesen.
Es geben die Helden sich nun einen Kuss –
nie bin ich so selig gewesen.

Sicher das Schloss, verloren im Gras,
liegt der Schlüssel – es endet das Glück.
Das Fahrrad schultern kein wirklicher Spaß,
und ewig weit der Fußweg zurück.

Gedicht der Woche
Für das „Gedichtespiel“  August 2011 verfasst aus den Vorgaben

Schloss – Baum – geben – lesen – weit

1. Platz: Sommeridyll von Reimerlei
2. Platz: Ritter Rost von attersee1953
3. Platz: Wenn Bäume sprechen könnten von online-gedich.de

Missmutige Zustandsbeschreibung

Es rast die Zeit, es rennt das Jahr

(Quelle: Wikimedia)

und es gibt ständig Regen.
Man blickt zurück auf das, was war,
und denkt sich: Meinetwegen.

Es ist ja doch, wie es halt ist,
mal besser und mal schlimmer.
Es regnet. Es ist Sommer. Mist.
Wer drehte nur am Dimmer?

Es ist recht dunkel für August
… an einem Sommerabend.
Man blickt nach vorn, halb unbewusst
die Hoffnung fast begrabend.

Es kommt noch was, es rast die Zeit
trainiert schon für den Winter.
Wie es auch kommt, ich bin bereit.
Welch Sommer! Nichts dahinter.

©Reimerlei 2011