Schwanensee

Wenn ich so durch die Gegend schleiche,
laufen Gedanken mit mir durchs Gehirn,
suchen sich einen Weg in all jene Bereiche,
die es gilt, aufzumischen und gehörig zu entwirrn.

Die Stellen, wo sich zähe Knoten bilden,
wo Kalk sich breitmacht neben toten Zellen.
In diesen ziemlich düsteren Gefilden
wirken Gedanken laufend Wunder und erhellen.

Während ich dann so eile und mich mühe,
verfluche ich die mangelhafte Kondition,
trampele, schwitze, keuche und erglühe,
und bräuchte dringend eine Eiseninfusion.

Im Kopf jedoch, da fühl ich mich erstaunlich
leicht, schwerelos und enorm angeregt.
Nur ein paar Schritte raus und schon begreif ich,
warum es richtig ist, dass sich der Mensch bewegt.

Der immerwährende Adventskalender

Ab dem 1. Dezember richte ich hier 24 Tage lang Vierzeiler für den Adventskalender in Reimkultur an. Auf meiner Facebook Seite und hier im Blog.  Ich schaue mal, ob die Kommentarfunktion eine gute Idee ist – dann gäbe es hier also ab morgen täglich einen neuen mehr oder weniger besinnlichen Kommentar. Oder ob ich das innerhalb dieses Artikels mache. Bin noch unschlüssig und weiß auch nicht, ob mich so mitten im Advent die Muse immer pünktlich küsst. Ich gebe mir Mühe, versprochen. Und wenn ich mich mit Punsch in Reimstimmung bringen muss, egal. Advent ist Advent, aus der Nummer kommen wir eh nicht mehr raus. Ich schunkele mich also schon mal in eine kontemplative Gefühlslage und öffne morgen das erste Türchen. Was insofern ein wenig stressig zu werden droht, als morgen – 1. Adventswochenende hin oder her – die Arbeit ruft. Vielleicht stellt sich in der Buchhandlung inmitten tütenbepackter Kunden in Kauflaune dann auch die gebührende vorweihnachtliche Stimmung ein, auf die ich trotz Aufgebot mehrer Leuchtsterne inklusive deren Spiegelungen und gleich zweier Adventskranzgebinde bislang vergeblich warte.

23.Türchen
Ab morgen nimmt Frau Reimerlei
gedichtemäßig weihnachtsfrei.
Heiligabend naht, der alles verändert
denn da hat es sich ausadventskalendert!

22.Türchen
Ganz bestimmt kein Zeitverschwender
der schöne Galgenkind-Kalender
von Ariane. Und ich hoffe sehr,
für 2014 gibt es davon noch mehr!

Galgenkinder_2013

21.Türchen
Mit drei Knaben von sechs Jahren
auf der Rückbank Auto gefahren.
Vom Weltuntergang nichts mitbekommen,
nur das Gehör hat Schaden genommen.

20.Türchen
Auch die Ruhe derer, die stets besonnen
und in sich ruhend Lektüre kaufen,
schien mir heute ansatzweise zerronnen,
da untermalt durch hektisches Schnaufen.

19.Türchen
Hübsch anzusehen, doch instabil
schon der Transport gab ihr* den Rest
so wird aus einem Geschenkutensil
der erste Umtausch noch vor dem Fest.

Weinbox
*Naturholz Geschenkverpackung mit Tragekordel, Metallscharnieren und -verschluss. Damit ist Ihr Geschenk sicher verpackt. (Stimmt, die Flasche blieb ganz!)

18. Türchen
Endspurt, dann ist’s überstanden,
das Zeitgefühl kam mir abhanden.
Wie oft werden wir noch wach???
Bald ist endlich Feiertach!

17. Türchen
Mit Sternenglanz in Violett
kam heute Post von ambranet.
Die Überraschung ist geglückt
ganz lieben Dank, ich bin entzückt!

16.Türchen                                               
Adventlich lockt so mancher Schwof,
sag’s mit dem Deppenapostroph!         

Advents-Blasen

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen,
ich wünsch euch hiermit viel Vergnügen.

15.Türchen
Verbringe meinen freien Samstag in der Weihnachtszone,
mir ist speiübel zwischen Pommes, Glühwein und Marone.
Von Menschenmassen unsanft hin und her geschoben
werd‘ ich den Tag mit Sicherheit auch nicht am Abend loben.

14. Türchen
Damit bin ich für heut‘ fein raus
just gingen mir die Reime aus!
Es diene darum als Ersatz
die Rezension des Musenblatts.

13. Türchen
Bis gestern hatte ich noch keins,
doch endlich, endlich hab‘ ich eins.
Ich hab‘ mich redlich angestrengt:
Mindestens einer wird beschenkt!

12. Türchen
Den Weihnachtsbaum gar reich geschmückt,
saß ich allein am Heiligabend,
bereits den Punsch genossen habend,
in mich gekehrt und tief beglückt.(weiter)

11.Türchen
Länger lässt sich’s nicht verschieben,
gleich wird Weihnachtspost geschrieben,
so richtig klassisch, mit güldenem Stift,
in hoffentlich lesbarer Schönschreibschrift.

10.Türchen
Nun ist es also schließlich passiert,
hab den Adventskalender vergessen.
Ich hoffe, ihr seid nicht arg deprimiert
und morgen dichte ich angemessen!

9.Türchen
Die zweite Kerze, das gibt’s doch nicht!
Ich halte kaum Schritt mit diesem Advent,
und erträume dennoch voll Zuversicht
den völlig tiefenentspannten Moment.

8.Türchen
YES, heute wird sich fein gemacht
für die Buchpremiere zur Mittagszeit.
Bin etwas aufgeregt aufgewacht,
Tuffi goes International, all right!

7.Türchen
Gott sei Dank, bald Wochenende,
aber leider Gottes nicht für mich.
wie ich es auch dreh und wende,
noch bis Samstag! Einschließlich! 

6.Türchen
Heute haue ich ein Klage-Verslein raus
und beschwere mich beim guten Nikolaus
fühl mich nämlich wie der letzte Depp,
weil ich alles selbst nach Hause schlepp!

5.Türchen
Im Regen-, Schnee- und Graupelschauer
erscheint die Welt mir trist und trüb,
wünsch es mir warm, den Himmel blauer.
Eins steht fest: Ich bin kein Wintertyp.

4.Türchen
Wie gerne bliebe ich faul & bequem
jetzt einfach liegen zu früher Stunde.
Doch ruft man mich ins Café Creme.
Auf zum Frühstück in fröhlicher Runde!

3.Türchen
Die erste Kerze unwesentlich kleiner,
der Kranz schon jetzt arg ramponiert.
Offen gesagt, als Adventskranz-Designer,
bin ich kaum bis absolut nicht talentiert.

2.Türchen
Macht hoch die Tür, die Tore macht weit
es ist zwar Sonntag, doch wat soll et.
Die Händler stehen im Tale bereit,
hoffnungsfroh betend Ihr Rubelein rollet!

1.Türchen
Samstagmorgen ist’s und Monatsbeginn,
Advent und Dezember noch obendrein.
Wir streben wohl gen Weihnachten hin:
Drauf heute Abend ’nen glühenden Wein! 

Zwei am Ende

Quelle: Wikimedia Commons

 

Und am Ende, wenn wir unter der Kastanie stehen,
heftig leiden unter Herbstzeit-Depressionen,
keine Brücke bauen, uns mit nichts verschonen,
Schwüre brechen, Tatsachen verdrehen,
denken wir, das sei der Lauf des Liebeslebens,
alles Streben, Sehnen wieder mal vergebens,
wir können uns nicht in die wunden Augen sehen.
Statt wohlig fühlen wir uns seelisch unbelaubt,
und keiner schüttet Asche über unser kahles Haupt.


 

Für das „Gedichtespiel“  Oktober 2012 verfasst aus den Vorgaben
Kastanie  Brücke brechen leiden wohlig

Platz 1: „Zwiesprache“ von tigali
Platz 2: „Fest verwurzelt aneinander gekettet“ von mordred
Platz 3: „Zwei am Ende“ von Reimerlei

Kleine Warnung vor dem Lesen zur Unzeit

Quelle: carl’s books

Die Sonne brennt, es rinnt der Schweiß in Bächen,
und ich verfluche diesen Lauf nach Herzenslust.
Wie kann ein bisschen Hitze derart schwächen?
Obwohl: es ist ja Sommer, noch dazu August.

Es ist nicht so, als sei ich nicht gewarnt gewesen:
Im Sommer ist es über Mittag manchmal heiß.
Dass es sich daher nicht empfiehlt, vorm Lauf ein Buch zu lesen,
dies Rennen liefert mir nachgerade den Beweis.

Ach, hätte ich’s doch lieber erst danach gelesen;
Gemütlich läge ich jetzt in des Gartens Schatten,
statt durch der Mittagshitze Höllenglut zu pesen.
Ja, so ein Liegestuhl, der käme jetzt extrem zustatten.

Und wie gewünscht, schon haut’s mich um, und siehe da: Ich liege.
Jedoch nicht sonderlich bequem, da auf Asphalt.
Wenn ich den Autor dieses Buches je zu fassen kriege!
Und diesen Stolperstein! Lag einfach da im Hinterhalt!

Nur unter Auferbietung meiner letzten Leibeskräfte,
beende ich die schlecht getimte sportliche Aktion.
Zu Hause trinke ich zwei, drei geschorlte Apfelsäfte
und lese weiter: Jonas Jonasson.*

* Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Melancholisches Poem an den Sommer 2012

Es war einmal ein Sommerregen,                      
der wurde immer schlimmer.
Durchdrang sogar – ich kann‘s belegen,
die Wand im Kinderzimmer.

Vom Regen, der mal leise nieselt,
mal sturzbachartig niederprasselt
fühl ich mich langsam angepieselt:
Der schöne Sommer ist vermasselt.

Es war einmal ein Sommerregen,
der störte ganz erheblich.
Die Hoffnung, sie war stets zugegen –
doch leider wohl vergeblich.

©Reimerlei 2012