Schwanensee

Wenn ich so durch die Gegend schleiche,
laufen Gedanken mit mir durchs Gehirn,
suchen sich einen Weg in all jene Bereiche,
die es gilt, aufzumischen und gehörig zu entwirrn.

Die Stellen, wo sich zähe Knoten bilden,
wo Kalk sich breitmacht neben toten Zellen.
In diesen ziemlich düsteren Gefilden
wirken Gedanken laufend Wunder und erhellen.

Während ich dann so eile und mich mühe,
verfluche ich die mangelhafte Kondition,
trampele, schwitze, keuche und erglühe,
und bräuchte dringend eine Eiseninfusion.

Im Kopf jedoch, da fühl ich mich erstaunlich
leicht, schwerelos und enorm angeregt.
Nur ein paar Schritte raus und schon begreif ich,
warum es richtig ist, dass sich der Mensch bewegt.

Kleine Warnung vor dem Lesen zur Unzeit

Quelle: carl’s books

Die Sonne brennt, es rinnt der Schweiß in Bächen,
und ich verfluche diesen Lauf nach Herzenslust.
Wie kann ein bisschen Hitze derart schwächen?
Obwohl: es ist ja Sommer, noch dazu August.

Es ist nicht so, als sei ich nicht gewarnt gewesen:
Im Sommer ist es über Mittag manchmal heiß.
Dass es sich daher nicht empfiehlt, vorm Lauf ein Buch zu lesen,
dies Rennen liefert mir nachgerade den Beweis.

Ach, hätte ich’s doch lieber erst danach gelesen;
Gemütlich läge ich jetzt in des Gartens Schatten,
statt durch der Mittagshitze Höllenglut zu pesen.
Ja, so ein Liegestuhl, der käme jetzt extrem zustatten.

Und wie gewünscht, schon haut’s mich um, und siehe da: Ich liege.
Jedoch nicht sonderlich bequem, da auf Asphalt.
Wenn ich den Autor dieses Buches je zu fassen kriege!
Und diesen Stolperstein! Lag einfach da im Hinterhalt!

Nur unter Auferbietung meiner letzten Leibeskräfte,
beende ich die schlecht getimte sportliche Aktion.
Zu Hause trinke ich zwei, drei geschorlte Apfelsäfte
und lese weiter: Jonas Jonasson.*

* Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Trassenträumerei

Scheint, als sei es geschehen,
wie wunderbar anzusehen:
Wuppertal ist in Bewegung!
Nach Hin- und Herüberlegung
und zänkischem Lamentieren,
geh‘ ich auf der Trasse spazieren!
Trotz ewiger Quereleien,
konnte sie endlich gedeihen.
Von Vohwinkel bis nach Barmen,
das ganze Tal rasch umarmen,
kein schwarz-weißer Tunnelblick –
und anschließend wieder zurück.
In den Sonnenaufgang hinein
die Erkenntnis: Es kann nicht sein!
Abrupt stoppt der traumhafte Lauf
und ich wache endgültig auf.
Vielleicht wird Fiktion einmal wahr-
Noch ist zu viel Suppe im Haar…

© Reimerlei 2011