Reimschule für verhinderte Dichter

Busch_Werke_BaehlammFrau Reimerlei schafft sich ab, indem sie jetzt Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Anlass dafür, die neue Seite Persönliches Gedicht einzurichten, waren einige gar gruselige Anzeigen in den bekannten Wuppertaler Gazetten. Was da zum Geburtstag, zur Geburt und zur Hochzeit schwarz auf weiß (und manchmal sogar farbig) gedruckt zu lesen steht, tut mitunter doch weh. Und sogar einige Traueranzeigen habe ich entdeckt, die kein Verstorbener verdient hat. Darum gibt es jetzt die 10 Tipps für verhinderte Dichter, gewürzt mit ein paar passenden Zitaten des genialen Wilhelm Busch aus seiner Bildergeschichte Balduin Bählamm.

Sieben

Eilen die Kinderjahre nach Belieben?
Man weiß es ja und staunt trotzdem.
Der Jüngste ist seit neulich sieben,
das Ganze hat wohl doch System.

Man freut sich, feiert, denkt ans Gestern
sitzt und bestaunt die bunte Kinderschar.
Aus kleinen Mädchen wurden große Schwestern.
Und lang ist‘s her, dass großer Bruder Baby war.

7-Geb-Nachmittag

Der Jüngste ist jetzt cooler Skater,
noch ziemlich wackelig, wie seine Zähne,
verschiebe Wehmutsanflüge auf später …
und dann verdrück ich heimlich eine Träne.

90 Stunden keine Zeit …

Das nenne ich mal schlechtes Timing: Nun sind Website und Blog traulich vereint, frisch gewaschen & gebügelt und ich habe keine Zeit für neue Ein- geschweige denn Aufträge. Jedenfalls demnächst nicht, denn die kommende Woche steht ganz im Zeichen von 90 Stunden Nonstop.

Bücher Köndgen feiert – und das nicht zu knapp. Montag mache ich Büchertische für die Jubiläumsangebote fein. Was ich Dienstag mache, weiß ich noch nicht so genau, da habe ich mit etwas Glück sogar noch ein schmales Zeitfenster für extrem eilige Textaufträge.

Mittwoch bin ich morgens im Laden und abends kocht Udo Einenkel verführerisch vegetarisch – das darf ich mir nicht entgehen lassen. Gleich danach fällt der Rowling’sche Todesfall aus und Martin Hagemeyer liest um Mitternacht trotzdem, dann halt alles außer Rowling, es gibt also so eine Art Lese-Wunschkonzert, das darf ich mir dann ja auch nicht entgehen lassen.

Donnerstag bin ich morgens im Laden, nachts ist Wortwache mit lecker Bier – darf ich mir natürlich ebenfalls nicht entgehen lassen. Freitag habe ich morgens frei und nachts ist die Nacht der schönsten Bücher, also der nachweislich und hochoffiziell allerschönsten, die kann ich mir aber mal auf gar keinen Fall entgehen lassen. Samstag arbeite ich ab mittags, außerdem ist magische Kinderlesung mit dem Baumhaus, darf mein Jüngster sich keinesfalls entgehen lassen.

Und dann nähert sich das Ende der 90 Stunden mit der letzten Lesung, die ist von Annette Langen für junge Hasen Mädchen gedacht und darum bin ich nicht die Zielgruppe und könnte sie mir sogar ausnahmsweise entgehen lassen, aber da habe ich dann offiziell Dienst und feiere den Ausklang unserer Jubiläumswoche im Laden. Ach ja, und beinahe vergessen, es gibt ja dann auch immer noch den Lesegenuss nach Ladenschluss und Ladenöffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr, also so rein texterisch betrachtet wird da wohl Heulen und Zähneknirschen sein. Aber sonst wird das lustig! 🙂

Einigen meiner regelmäßigen Textbesteller habe ich schon Bescheid gesagt, alle anderen bitte aufgepasst: Nächste Woche ist Ausnahmezustand und normal läuft es hier erst wieder ab dem 1. Oktober. Dann aber mit Vollgas, wie immer!

 

Sechs

Sechs zu werden, ist Magie,  
so viel bringt das neue Jahr:
Schultornister, Stifte-Etui,
Kuchen, Party, Gästeschar.

Kindergarten bald zu Ende,
Wackelzähne, Schleife binden,
gelb blühn Kinderzimmerwände,
in die Schule, Freunde finden.

Sechs zu werden, das ist groß,
das ist Glück, dein Feiertag.
Gleich geht deine Party los,
und du fühlst dich bärenstark.

Mit Geschenken kommen Gäste
feiern, lachen, Riesenspaß.
Sechs, das schönste aller Feste,
nur die Mama etwas blass.

Denkt im Kreise ihrer Lieben:
Ein Jahr Ruhe bis zur Sieben!

©Reimerlei 2012

Fünfe gerade

Eben erst ist es geschlüft,
Bande werden zart geknüpft,
Säugling noch so ganz und gar –
und wir sind ein Elternpaar…

Eine Kerze auf der Torte,
es kennt mittlerweile Worte,
tut den allerersten Schritt –
und wir laufen freudig mit…

Nächste Kerze, neuer Kuchen,
alles muss es untersuchen,
staunt, entdeckt die ganze Welt –
und hat unsre aufgehellt…

Einmal schlafen, ist es drei,
tagsüber schon windelfrei,
kommt bald in den Kindergarten –
und wir können’s kaum erwarten…

Unversehens wird es vier,
schnipselt Berge von Papier,
strotzt nur so vor Eigensinn –
und Babyflaum ist längst dahin…

Fünfe gerade, es beginnt
ein neues Jahr für unser Kind,
plötzlich scheint es riesengroß –
und wir staunen fassungslos…

©Reimerlei 2011

Herzlichen Glückwunsch zum 5. Geburtstag!