Partyalarm No. 7

Streng-geheim-2Wenn es der größte Wunsch des jüngsten Kindes ist, den 7. Geburtstag mit ALLEN seinen Freunden zu feiern, also auch mit der Bande aus vergangenen Kindergartenzeiten, – die  Reimerlei’sche Behausung aber 12 robusten Jungs kapazitätsmäßig definitiv nicht gewachsen ist … ja, was dann? Eine zünftige Feier im Garten wäre zwar möglich, lässt sich aber leider angesichts der Wetterkapriolen im März nur unzureichend planen. Von Regen über Tiefschnee bis Sonnenschein hatten wir schon alles.

Was tun, fragte sich die ebenso ratlose wie überforderte Mutter und Eventmanagerin. Und dann fiel es ihr ein: das Atelier von Ariane Rudolph, die das Tuffi-Buch so schön illustriert hat! Ariane bietet dort seit einem Jahr Zeichenkurse für Kinder an und es gibt auch die Möglichkeit, Kindergeburtstage im Atelier zu feiern. Wie groß war die Freude, als Ariane trotz der beängstigenden Gruppengröße zusagte! Ideal sind Gruppen von 8 bis 10 Kindern, aber mit vereinten Kräften sollte es uns doch ausnahmsweise gelingen, auch 12 Rabauken zu bändigen.

Streng-geheim-1Und so steigt morgen dort die große Party. Alles ist STRENG GEHEIM! Die 12 angehenden Detektive müssen zunächst einmal erraten, wo gefeiert wird (in Barmen) und wie sie dort hin gelangen (natürlich mit der Schwebebahn und mit zwei Begleitpersonen). Sie müssen an der richtigen Station aussteigen und dann ihren Orientierungssinn beim Finden der Straße unter Beweis stellen. Im Atelier geht es natürlich erst einmal ans Auspacken der Geschenke, danach ans Futtern – es gibt frische Waffeln am Stiel. Anschließend folgt der kreative Teil mit Detektivausweisbastelei und Phantombildprüfung. Falls das Wetter einigermaßen mitspielt, können sich die Jungs dann vor dem Abend-Imbiss noch auf dem nahegelegenen riesigen Spielplatz am Matagalpa-Ufer austoben.

 

atelier-116Den Bericht reiche ich nach. Ich kann aber jetzt schon versichern, dass Ariane Rudolph das alles perfekt und mit Herz organisiert. Sie hat sogar diese fantastischen Einladungskarten selbst gestaltet! Noch nie habe ich einem Kindergeburtstag so entspannt entgegengesehen.

 

Ein Buch mit Geschichte(n): Jubiläumsbecher in der Busspur

2004 war ein besonderes Jahr: Es war das Jahr, in dem ich mich in einem äußerst kuscheligen inhabergeführten Laufforum anmeldete und dort Heidi Schmitt alias Frauschmitt begegnete. Vielmehr nicht ihr selbst, sondern ihrer sehr speziellen Art der Laufberichterstattung.

„Out of Egelsbach“, das ist die erste von vielen „Laufgeschichten aus der Provinz und von Anderswo“, die nun druckfrisch, aber bereits gebührend mit Kaffee und Streuselkuchen bekleckert, in Form des Buches „Jubiläumsbecher in der Busspur“ einen Platz in meinem Bücherregal gefunden haben. Wobei die Provinz von Egelsbach über Kelkheim Hornau bis Stierstadt reicht, das Anderswo überwiegend Frankfurt, New York und Bauchbeinepo meint. Fest ins Läuferherz geschlossen hatte ich die meisten der Erzählungen schon lange vor Erscheinen des Buches – umso mehr freut es mich, nochmals einzutauchen in „Die ganze Welt des Laufens“, die sich mitunter in einem einzigen Halbmarathon, immer aber in einem „Monolog mit Biber“ offenbaren kann.

Die Buchform wird den völlig unterschiedlichen, aber trefflich amüsanten Laufgeschichten unbedingt gerecht, denn da gehören sie hin: zwischen zwei Buchdeckel, appetitlich angerichtet mit diversen Perlen der wohlverdienten Läuferverköstigung zur energetischen Neuaufladung. Zum Dessert macht Heidi Schmitt erst „Schluss mit Esoterik“ und reicht alsdann ein paar erbauliche Limericks nach, mit denen Läufer aus Degerloch, Seesen, Grimmen, Minden und anderen Metropolen sich darüber hinwegtrösten können, nicht zur Provinz zu zählen.

Wie die geneigte Leserin (und der geneigte Leser) dieser Rezension sicher mittlerweile gemerkt hat, geht das Ganze in Richtung Kaufempfehlung. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dies Laufbuch habe einen Platz auf der Laufbuch-Bestsellerliste im Bereich Non-Training verdient. Obwohl von einer Frau geschrieben und mit ein paar wenigen eher frauenspezifischen Betrachtungen zum „Schenkeln“ bestückt, sollten es getrost auch Männer kaufen, bzw. Frau kann es ihnen unbesorgt schenken. Es gehört definitiv nicht in die Rubrik rosa Puschel, selbst wenn Puschel darin eine Nebenrolle spielen. Es kommen auch keine Vampire vor und niemand redet mit seiner inneren Göttin. Es ist also eine klare Empfehlung wert! Für LäuferInnen, für Leute, die LäuferInnen kennen, für Leute, die der Faszination des Dixieklos erlegen sind und für Leute, die gute Kurzgeschichten mögen.

Heidi Schmitt
Jubiläumsbecher in der Busspur
Laufgeschichten aus der Provinz und von Anderswo.
ISBN: 3848222523
EAN: 9783848222520
Paperback
Books on Demand
November 2012 – kartoniert – 180 Seiten

 

Kleine Warnung vor dem Lesen zur Unzeit

Quelle: carl’s books

Die Sonne brennt, es rinnt der Schweiß in Bächen,
und ich verfluche diesen Lauf nach Herzenslust.
Wie kann ein bisschen Hitze derart schwächen?
Obwohl: es ist ja Sommer, noch dazu August.

Es ist nicht so, als sei ich nicht gewarnt gewesen:
Im Sommer ist es über Mittag manchmal heiß.
Dass es sich daher nicht empfiehlt, vorm Lauf ein Buch zu lesen,
dies Rennen liefert mir nachgerade den Beweis.

Ach, hätte ich’s doch lieber erst danach gelesen;
Gemütlich läge ich jetzt in des Gartens Schatten,
statt durch der Mittagshitze Höllenglut zu pesen.
Ja, so ein Liegestuhl, der käme jetzt extrem zustatten.

Und wie gewünscht, schon haut’s mich um, und siehe da: Ich liege.
Jedoch nicht sonderlich bequem, da auf Asphalt.
Wenn ich den Autor dieses Buches je zu fassen kriege!
Und diesen Stolperstein! Lag einfach da im Hinterhalt!

Nur unter Auferbietung meiner letzten Leibeskräfte,
beende ich die schlecht getimte sportliche Aktion.
Zu Hause trinke ich zwei, drei geschorlte Apfelsäfte
und lese weiter: Jonas Jonasson.*

* Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Shades of Grey „Geheimes Verlangen“ und was ich dazu zu sagen hätte …

Leute, ich bin Buchhändlerin und werde dieses Buch verkaufen! Schließlich brauchen wir Umsätze, also werfen wir derzeit alle Dünkel von Bord und handeln einfach. Mit Schnickschnack, der uns, dem darbenden Buchandel, zu mehr Umsatz verhelfen soll, mit lüsternen Blutsaugern, dauerrolligen Katzenmenschen und saukomischen Weiberromanen. Und jetzt verkaufen wir eben „Geheimes Verlangen“. Aber eines kann ich NICHT, nämlich dies Buch empfehlen. Das soll aber bitte niemanden daran hindern, es trotzdem zu kaufen. Sicher wird es bald ohnehin in trauter Eintracht mit den Folgebänden „Gefährliche Liebe“ und „Befreite Lust“ ein Stelldichein auf der Spiegel-Bestsellerliste feiern.

50 Shades of Grey lautet der englische Originaltitel, die 50 hat der deutsche Verlag („Goldmann – Lesen erleben“ – oho!) gegen den Untertitel „Geheimes Verlangen“ eingetauscht, die Krawatte auf dem Titelbild gegen eine Blüte, die offenbar weibliche Sinnlichkeit symbolisieren soll. Die Protagonistin plappert von Seite 7 bis Seite 602 ebenso unentwegt wie dämlich vor sich hin, schließlich hat sie uns ihre außerordentlich aufwühlende Geschichte zu erzählen. Der Protagonist kann endlich mal die Zähne zeigen, ohne ein Vampir zu sein, er ist einfach nur ein ganz normalsterblicher Mann: extrem gut aussehend, schwer reich, großer Schwanz, immer bereit, arrogantes Arschloch – und auch sonst ein Typ, von dem sich eine naive Jungfrau gern kurz mal die Unschuld rauben und nach Unterschreiben des mehrseitigen Sklavenvertrags etwas später auch fast freiwillig ausdauernd versohlen lässt.

Keine Angst, dies wird kein Spoiler, es kann gar keiner sein, denn wesentliche Spannungsmomente habe ich nicht entdecken können. Eindimensionale Charaktere, denen die Autorin krampfhaft mehr Tiefe verleihen möchte, was aber nicht gelingt. Der fiese arrogante Sack ist eigentlich ein netter Kerl und hatte wahrscheinlich eine schwere Kindheit, Genaueres werden Band 2 und 3 zum Vorschein zerren. Die unbedarfte Ex-Jungfrau ist ja eigentlich total intelligent, schließlich liest sie als Literaturstudentin auch Thomas Hardy. Leider hindert sie das nicht daran, gefühlte 100 Mal Dialoge mit ihrer jauchzenden „inneren Göttin“ zu führen, beim Orgasmus ständig in 1000 Stücke zu zerbersten und obendrein sehr zum Missfallen von Master-of-her-Universe Grey beharrlich augenverdrehend an ihrer Unterlippe zu kauen, woraufhin er – es scheint ein Schlüsselreiz und Teil seines Kindheitstraumas zu sein – sofort Sex haben möchte. Oder peitschen oder so was.

Auf der typischen Sterne-Skala von 1 bis 5 würde ich der faden Story um die graue Maus Anastasia und ihren schwarzen Schwänerich Christian nur deshalb üppig bemessene zwei Sterne spendieren, weil das Buch unfreiwillig komisch und darum doch irgendwie amüsant ist. Ohne es zu wissen – es ist wirklich nur eine Vermutung – neige ich dazu zu glauben, dass auch die SM-Szene das Werk indiskutabel findet. In der Zusammenfassung ist es nicht ergiebiger als eine Endlosschleife „Master and Servant“, von der britischen Band Depeche Mode bereits 1984 thematisiert.

„There’s a new game
We like to play you see
A game with added reality
You treat me like a dog
Get me down on my knees
We call it master and servant.”

NACHTRAG 11.07.12:  Eine Rezension, die es toll auf den Punkt bringt und dabei noch so herrlich die naive Tonart der Story parodiert, fand ich eben beim großen Online- Konkurrenten. Mit freundlicher Genehmigung des Rezensenten Kirk Spader:

Meine Oberlippe zersprang in 1.000 Stücke … 11. Juli 2012
Neulich fuhr ich im geliehenen R8 Spider eines Kumpels durch die Gegend, als mir einfiel, dass ich für den geplanten Campingurlaub noch Material brauchte um die Zeltstangen zu transportieren. Also den R8 zackig vorm Haupteingang eines Baumarktes in der Nähe geparkt und nur im weißen Oberhemd und gut auf der Hüfte sitzender Jeans in den Baumarkt. Da war natürlich kein Verkäufer, also ich in den Pausenraum ohne anzuklopfen. Da waren die alle. Verkäuferin ausgesucht und ihr gesagt, dass ich Kabelbinder, Klebeband und Seil bräuchte. Sie wurde knallrot und wir gingen in die Elektroabteilung wegen den Kabelbindern. Sie stolperte dreimal und gesagt hat sie auch nicht viel, weil sie die ganze Zeit an ihrer Oberlippe knabberte. Das hat total genervt. Als ich die Kabelbinder (zum Zusammenbinden der Zeltstangen) ausgesucht hatte, kam sie immer näher und nuschelte etwas (konnte ich nicht genau verstehen, weil sie immer noch an der Oberlippe nagte), klang so, als wenn wir einen Vertrag machen sollten. Ich sagte, dass ich einen Vertrag über den Kauf von Kabelbindern, Klebeband und Seil etwas übertrieben fände, es würde doch reichen, wenn ich es kaufen und eine Quittung bekommen würde. In der Klebebandabteilung sagte sie, dass sie gleich explodieren würde. Dabei sah sich mich ganz komisch an. Ich wollte nicht, dass sie explodiert, deswegen habe ich sie vorsichtshalber mit dem Klebeband umwickelt und sie an einer Säule fixiert. Die anderen Kunden haben komisch geguckt, aber ich habe einfach weitergemacht. Dann bin ich gegangen. Im Zelturlaub habe ich dann „Shades of Grey“ gelesen. Ich finde, das ist ein Klassebuch, weil absolut realitätsnah.

Applaus, Mr. Spader!

Frau Sanne
CEO Reimerlei

Laufbuchempfehlungen und das Dutzend rasende Buchhändler

Zuerst war es nur eine Idee, mehrfach verworfen, aber irgendwie doch immer im Hinterkopf: Ich wollte gerne eine richtig gute Laufbuchabteilung einrichten, mit großer Auswahl und  persönlichen Empfehlungen. Natürlich darf man dabei nicht nur an die langjährigen und besonders ambitionierten Läufer denken, sondern gerade auch Einsteiger sollen bei uns gut beraten werden.

Köndgen Kundenmagazin Laufbuchempfehlungen

Köndgen Kundenmagazin Laufbuchempfehlungen

Nun ist es soweit, wir haben in der Filiale Barmen ein tolles, vielfältiges  Sortiment am Lager. Im Magazin habe ich mich auf die vier Highlights beschränkt – in unseren Regalen stehen aber natürlich weitaus mehr Titel, darunter auch etliche Bücher zur Trainingssteuerung in Sachen Halbmarathon und Marathon. Man kann überall hineinblättern, stöbern und  sollte etwas fehlen, auch gerne unverbindlich zur Ansicht bestellen. Keine Zeit oder Gelegenheit persönlich in den Laden zu kommen? Auch das ist kein Problem –  Bücher Köndgen versendet ab einem Bestellwert von 20 Euro versandkostenfrei! Ich würde mich freuen, wenn ein paar Bestellungen den Weg zu uns statt zu Amazon finden würden!

Durch diese ganze Aktion sind Chefs und Kolleg/inne/n so motiviert worden, dass die Buchhandlung in diesem Jahr am 12.06. erstmals beim Firmenlauf auf der Sambatrasse am Start ist, gleich mit einem Dutzend flotter Buchhändler! Ich werde berichten!