Eine Buchhändlerin textet

Das Texten hat viel mit meinem Joballtag als Buchhändlerin gemeinsam. In beiden Sparten sind Fantasie, Flexibilität und eine gute Allgemeinbildung unverzichtbar. Auch das Gedächtnis sollte einwandfrei funktionieren.

Kundenwünsche sind nicht immer auf Anhieb konkret. Der Kunde, der ein Buch sucht, das ähnlich spannend ist, wie der zuletzt gelesene Krimi, dessen Autor und Titel er leider nicht mehr weiß, stellt schon eine gewisse Herausforderung an alle drei genannten Eigenschaften dar.

Ähnliches gilt für den Kunden, der seine neue Website mit Texten bestücken möchte, sich über Inhalte und Tonalität aber noch nicht schlüssig ist. Hier ist mehr als reines Texten gefragt, aber diese Aufträge machen das Leben am Schreibtisch spannend. Die Recherche verschlingt einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitszeit. Als Texterin habe ich mir eine Menge Wissen über Themen angeeignet, mit denen ich sonst niemals in Berührung gekommen wäre.

Da ist das Dichten und Verseschmieden ein willkommener Ausgleich. Die Aufträge im Bereich Vers und Reim – die kleinen Gedichte für private Anlässe – sind für mich das Salz in der Textersuppe. Sie machen mittlerweile nur noch einen kleinen Anteil der gesamten Arbeit aus, erfreuen mich aber darum umso mehr.

Lesenslauf

Nun denn – jetzt ist sie mal so frei
und stellt sich vor: Frau Reimerlei.
Als Kind schon war’s ihr eine Qual,
las ihre Mutter nur einmal
die Gutenachtgeschichte vor:
Die reichte höchstens für ein Ohr.
Zwei mussten es am Abend sein,
sonst schlief Klein-Reimerlei nicht ein.

Früh übte sie auch schon diverse
Gedichte oder hübsche Verse,
die sie gern ungefragt erzählte
und so die Anverwandten quälte.
Was sind sie alle froh gewesen,
als es dann losging mit dem Lesen:
Kam die Verwandtschaft zu Besuch
saß sie fortan ganz still vorm Buch!

Wollte man Reimerlei was schenken,
dann gab es nicht viel nachzudenken:
Man schenkte Krüss und Guggenmos,
auch Wilhelm Busch bedenkenlos.
Der großen Dichtungen Vertreter,
folgten erst ein paar Jahre später –
Die Herren Goethe, Schiller, Storm
beeindruckten sie ganz enorm.

Seither liebäugelt sie nach Kräften
mit vielseitigen Büchergeschäften,
studierte zwischendurch kurz einmal
– zog diesbezüglich nach Wuppertal –
kehrte dann aber doch zum Glück
reumütig zu den Büchern zurück,
durfte 2010 ihr Tuffi-Buch schreiben-
und lässt das Lesen einfach nicht bleiben!

©Reimerlei 2011