Im Bequemlichkeitsmodus nach Amazonien

Bibliopolium. Der Buchladen
(Wikimedia Commons)

Dümpelt der Buchhandel wirklich im Tal der Tränen? Gejammert und lamentiert wird jedenfalls viel, bei den Kleinen und bei den Großen nicht minder. Riesige Flächen scheinen ausgedient zu haben, selbst in attraktiven Innenstadtlagen kämpfen Filialisten mit Problemen. Die einst blühenden Ketten schließen, reduzieren Quadratmeter oder versuchen, Umsatzlöcher mit Shop-in-Shop-Systemen zu stopfen. Gehört die Zukunft tatsächlich dem Gemischtwarenladen mit Buchsortiment?

Auch wenn ich keine Buchhändlerin wäre, fände ich diese Entwicklung übel. Wenn ich in einen Bücherladen gehe, möchte ich vor allem und an erster Stelle Bücher sehen, viele viele verschiedene Bücher. Die dürfen auch in bunten Stapeln präsentiert werden, Stapel sind völlig okay, Und es dürfen auch gerne eReader, CDs und DVDs, ein paar Plüschtierchen und Spiele einträchtig vereint mit allerlei Tand in einer Buchhandlung feilgeboten werden – aber bitte doch nicht dominant das Buchsortiment in die Ecke verdrängend.

Der Amazonas gräbt den Buchhändlern jede Menge Wasser ab. Amazon funktioniert, weil Kunden bequem sind und der Onlinehandel diesen Bequemlichkeitsmodus perfekt unterstützt. Die Erwartungshaltung des modernen Onlinekunden ist: „Walle, walle, manche Strecke.“ Man kann alles scheinbar billig kaufen, schnellstens von irgendwo bis hinein in die gute Stube transportieren lassen und bei Nichtgefallen zurückschicken, ganz bequem und einfach. Da kann sich die Buchhandlung Köndgen am Rande der Fußgängerzone einen Ast dekorieren, die Schaufenster kunstvoll gestalten, über Partner-Shops sogar ebenfalls kostenlosen Online-Versand  von über 5 Mio. Artikeln nebst Service vor Ort anbieten: Der Amazonas überflutet uns.

Amazon leistet viel, das erkenne ich an. Und ist vor allem nach mittlerweile 14 Jahren Präsenz in Deutschland positiv besetzt: Amazon hat sich in den Köpfen der Zielgruppe – internet- und technikaffine Kunden – als günstiger Platzhirsch und Komplettversorger unter den Onlinehändlern etabliert. Bei neuen Büchern greift zwar nach wie vor die Buchpreisbindung, aber hinzu kommt neben Kindle & Co ein wunderbar umfangreiches Antiquariat für Schnäppchenjäger. Auch Verlage spüren die Macht Amazoniens, denn immer mehr Autoren publizieren inzwischen ihre Bücher sowohl in Papierform als auch elektronisch direkt über Amazon. Der SPIEGEL online betitelte vor rund einem Jahr einen Artikel im Kulturteil: „Amazon startet Offensive gegen Verlage“.

Ich habe natürlich auch schon bei Amazon bestellt. Sogar Bücher, und das, obwohl ich ja nun echt an der Quelle sitze. Aber ich verdränge nicht, dass ich mit jeder Bestellung ein gefräßiges System unterstütze, das langjährig gewachsene regionale Strukturen aussaugt. Für alle Annehmlichkeiten zahle ich letztlich einen weitaus höheren Preis als die Kaufsumme. Und darum kaufe ich lieber bewusst ein, gehe in Geschäfte und schaue mich dort aktiv um. Manchmal finde ich das Gesuchte nicht, dann bestelle ich es durchaus ohne schlechtes Gewissen im Internet. Ich mag das Internet, ich prangere es überhaupt nicht als böse an. Ich mag in gewissen Grenzen sogar Amazon, nicht aber diese Selbstverständlichkeit, mit der Amazon = allmächtig ist.

Es grünt so grün in Wuppertal …

In der (über)regionalen öffentlichen Wahrnehmung wird Wuppertal  gerne auf  seine Schwebebahn reduziert. Mit Glück werden auch noch kulturelle Glanzlichter wie Tanztheater und VON DER HEYDT-MUSEUM wohlwollend zur Kenntnis genommen. Darüber hinaus wird über Wuppertaler Regenwetter berichtet, über Tristesse und graues Ambiente.

Als  Zugezogene habe ich lange mit der Stadt gefremdelt und beinahe zwei Jahrzehnte gebraucht, um mich heimisch zu fühlen – Wuppertal ist mir in Zeitlupe ans Herz gewachsen, in kleinen Puzzlestücken.  Die wuchtige Landschaft, die grünen Hügel und der Staatsforst Burgholz mit seinen bewaldeten Höhen haben mich aber sofort und spontan begeistert.

Dass es darüber hinaus im Stadtgebiet eine ganze Reihe von ebenso grünen wie geschichtsträchtigen Anlagen gibt,  habe ich erst kürzlich realisiert. Da lebe ich seit über 20 Jahren in Wuppertal und erfahre nun erst Details über Parks und Gärten, die nicht fernab und außerhalb liegen, sondern sich in voller Schönheit überall entlang der Talachse mitten in den Stadtvierteln verbergen.


Einen Monat lang bin ich in die heiße Phase einer Buchidee über Wuppertals grüne Anlagen eingetaucht. Mit nur einem Buch kann man der vielfältigen Garten- und Parklandschaft allerdings nicht annähernd gerecht werden. Darum lag es nahe, gleich mit einer Buchreihe zu starten, deren erste Bände den Bogen vom Westen zum Osten des Wuppertals spannen. Ein wunderbares Projekt in enger  Zusammenarbeit mit dem  Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal e.V., für das ich zum ersten Mal für die Edition Köndgen den Part einer Hilfs-Hebamme übernehmen durfte. Nach einer spannenden Phase des Schlusslektorats befinden sich Band 1 und 2 der Reihe nun im Druck und werden pünktlich zum 1. Juni 2011 und damit passend zum Textilmarkt auf Schloss Lüntenbeck lieferbar sein. Am 31. Mai findet um 18 Uhr die Buchpräsentation an den Turmterrassen im Nordpark statt. Ein Menge interessanter Infos über diese und weitere Grünoasen gibt es auf der hübsch gestalteten Seite Wuppertals grüne Anlagen.

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Band 1: Waldanlage Nordpark  – Alleen, Spielplätze, Wildgehege
mit Übersichtskarte „Freiräume, Naturerlebnisse, Stadtparks“
1. Auflage 2011
Herausgeber: Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal e.V.
Autoren: Antonia Dinnebier, Margot Sundermann, Martin Lücke

ISBN 978-3-939843-14-6  /  € 7,95

Band 2: Grüne Meile Lüntenbeck  – Schloss, Stadtwald, Lüntenberg
1. Auflage 2011
Herausgeber: Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal e.V.
Autorin: Antonia Dinnebier

ISBN 978-3-939843-15-3  / € 7,95

 

 WZ-Bericht vom 05.06.11

Lest Bücher!

Ein neues Portal steht in den Startlöchern,  das buchbegeisterte Menschen verbinden will:
Lest Bücher!

Leser und Leserinnen, die sich und ihren Kindern auch in ein paar Jahren noch eine vielfältige Buchlandschaft wünschen, sollen genauso ein Teil der Lest Bücher! Community werden, wie unabhängige Buchhändler, die ihr besonderes und unverwechselbares Profil bewahren möchten. Der Countdown läuft – man darf gespannt sein auf den Mai!

Lesenslauf

Nun denn – jetzt ist sie mal so frei
und stellt sich vor: Frau Reimerlei.
Als Kind schon war’s ihr eine Qual,
las ihre Mutter nur einmal
die Gutenachtgeschichte vor:
Die reichte höchstens für ein Ohr.
Zwei mussten es am Abend sein,
sonst schlief Klein-Reimerlei nicht ein.

Früh übte sie auch schon diverse
Gedichte oder hübsche Verse,
die sie gern ungefragt erzählte
und so die Anverwandten quälte.
Was sind sie alle froh gewesen,
als es dann losging mit dem Lesen:
Kam die Verwandtschaft zu Besuch
saß sie fortan ganz still vorm Buch!

Wollte man Reimerlei was schenken,
dann gab es nicht viel nachzudenken:
Man schenkte Krüss und Guggenmos,
auch Wilhelm Busch bedenkenlos.
Der großen Dichtungen Vertreter,
folgten erst ein paar Jahre später –
Die Herren Goethe, Schiller, Storm
beeindruckten sie ganz enorm.

Seither liebäugelt sie nach Kräften
mit vielseitigen Büchergeschäften,
studierte zwischendurch kurz einmal
– zog diesbezüglich nach Wuppertal –
kehrte dann aber doch zum Glück
reumütig zu den Büchern zurück,
durfte 2010 ihr Tuffi-Buch schreiben-
und lässt das Lesen einfach nicht bleiben!

©Reimerlei 2011