Die Verrichtung*

Ging einer mal zum Laufen in den Wald
lief frohen Mutes vor sich hin (so schien’s),
bemerkte aber leider schon alsbald
ein menschliches Bedürfnis, die Naturgewalt
sich nach Entleerung sehnenden Urins.

Die Not war groß, die nächste Tanne nah,
der Läufer sehr erleichtert hinterher –
Pech nur, dass dies in Wuppertal geschah
und eine Politesse die Verrichtung sah:
Die fand solch Treiben furchtbar ordinär.

Und meldete den Sündenfall der Staatsgewalt,
die mit der Politesse einer Meinung war:
Schließlich sei ein lichtes Gebüsch im Wald
mitnichten schnöde Bedürfnisanstalt!
Macht 73 Euro (zu überweisen oder bar).

©Reimerlei 2011

*nach einer wahren Begebenheit im Februar 2011
Quelle: www.laufen-in-wuppertal.de (ols) Wie die Wuppertaler Rundschau berichtete, wurde ein Läufer in Beyenburg trotz Aufsuchen eines Gebüschs wegen `Verrichtung der Notdurft außerhalb von Bedürfnisanstalten` mit EUR 73,50 zur Kasse gebeten. Der Widerspruch wurde vor Gericht abgewiesen. Vor dem nächsten Lauf also an die vorzeitige Entleerung denken – kann sonst teuer werden!

Kleine Nestbeschmutzerei

Luise und Leonhard sähen sehr gerne
ihre Verwandten nur aus der Ferne,
denn die wohnen alle in Wuppertal –
und sie zu besuchen ist richtig brutal.

Opa Oswald haust droben in Cronenberg
mies gelaunt wie ein giftiger Gartenzwerg,
weshalb ein Besuch dort nie lange dauert
und er schnellstens wieder allein versauert.

Nun weiter nach Beyenburg zu Tante Ruth,
die immerzu freundlich und gutmütig tut,
Stilles Wasser und steinharte Kekse kredenzt,
was meist die Verweildauer deutlich begrenzt.

In Vohwinkel ist es leider nicht besser,
da wetzt Oma Erna erfreut ihre Messer
wem wird sie wohl nach dem Leben trachten …
den Besuch oder lieber die Hühner schlachten?

Es bleibt nur der Fluchtweg nach Elberfeld,
schnell dort bei Onkel Hubertus geschellt.
Der beschließt, heute sei er nicht anzutreffen:
„Hasse Kinder, besonders die Nichten und Neffen.“

Auf nach Ronsdorf. Da wohnt die stadtbekannte
bei den Herren besonders beliebte Tante
mit dem klangvollen Künstlernamen Colette –
leider liegt sie just nicht alleine im Bette.

Also heißt es nun schleunigst weitersausen
zur Urgroßmutter nach Heckinghausen
ins Heim zu den Alten und Tattergreisen
um – igitt! – kalte Hafergrütze zu speisen.

Danach droht die Steigerung dieser Qual:
Opa Hans und sein Häuschen am Uellendahl,
traulich dicht an der Autobahnauffahrt gebaut.
Vom Verkehrslärm stocktaub, findet er es nicht laut.

Zu guter Letzt wird nach Barmen geschwebt,
wo Tantchen Käthe in aller Bescheidenheit lebt,
nicht nur derbe nach Zigarettenrauch stinkt,
sondern auch nach dem Fusel, den sie gerne trinkt.

Es liegt sozusagen ein Wupperfluch
auf jedem verdammten Verwandtenbesuch.
Darum sähen Luise und Leonhard gerne
Wuppertäler  und –berge nur aus der Ferne.

©Reimerlei 2011

(Bild: Holger Weber Schwebebahnmalerei)