Weihnacht 2015

Weihnachtsengel_2015Nun rücken wir allüberall eng zusammen,
mästen die Bäuche, die ohnehin strammen,
aus Töpfen und Pfannen sieht man es dampfen
üppigen Festtagsschmaus gibt es zu mampfen.

Womit nicht mehr vieles zu sagen bliebe
über den christlichen Festakt der Liebe,
außer, dass wir Geschenke und Gaben,
großzügig ebenfalls eingekauft haben.

Es ist Weihnachten, wir reden vom Frieden
der uns hierzulande tatsächlich beschieden,
allen anderen gönnen wir ihn zwar auch –
so ist das nun mal an Weihnachten Brauch –,

… aber bitte dankesehr ohne die Flüchtlingskrise,
weil diese uns und Europa die Stimmung vermiese.
Und wenn die Geflüchteten Frieden wollen,
sie ihn gefälligst im eigenen Land finden sollen.

Oder irgendwo anders, Hauptsache nicht hier,
deren Kriege sind doch wohl kaum unser Bier.
Wo käme man hin, würden alle herkommen.
Soweit die Gedankengänge, die frommen,

besorgter Menschen, die an Heiligabend
an Gans und Ente und Karpfen sich labend
so inbrünstig singen vom Frieden auf Erden.
denn es wird wieder Weihnachten werden …

Du bist

Diese Welt ist nicht ohne Dich.
Dein perlendes Lachen, das ich noch immer höre, ist nicht verloren.
Dies Lachen, es lässt Funken sprühen.
Diese Welt hat Deine Schönheit nicht verloren, ich kann sie sehen.
So schön, es ist eine Freude, Dich anzuschauen.
Diese Welt hat Deine Kraft nicht verloren, die Dich und andere stark macht.
Lebensmut, der Dich erfüllt.
Diese Welt ist reich durch Deine Klugheit, die ich bewundere.
Dein Geist, Deine Kultur, Deine Sprachen.
Diese Welt ist nicht ohne Dich.
Du warst nicht. Du bist.

Für XY

Zwei am Ende

Quelle: Wikimedia Commons

 

Und am Ende, wenn wir unter der Kastanie stehen,
heftig leiden unter Herbstzeit-Depressionen,
keine Brücke bauen, uns mit nichts verschonen,
Schwüre brechen, Tatsachen verdrehen,
denken wir, das sei der Lauf des Liebeslebens,
alles Streben, Sehnen wieder mal vergebens,
wir können uns nicht in die wunden Augen sehen.
Statt wohlig fühlen wir uns seelisch unbelaubt,
und keiner schüttet Asche über unser kahles Haupt.


 

Für das „Gedichtespiel“  Oktober 2012 verfasst aus den Vorgaben
Kastanie  Brücke brechen leiden wohlig

Platz 1: „Zwiesprache“ von tigali
Platz 2: „Fest verwurzelt aneinander gekettet“ von mordred
Platz 3: „Zwei am Ende“ von Reimerlei

Zum Glück keine Migräne

Scharfe Klauen, spitze Zähne                
wühlen hinter matter Stirn.
Gierig schmatzt sie, die Migräne,
mit Genuss in meinem Hirn.

Was sonst gut tut, Luft und Licht
sie verdirbt es mir entschieden.
Alles Schöne mag sie nicht,
wird drum auch von mir gemieden.

Abgedunkelt, ohne Buch,
lieg ich da in meiner Kammer
und verwünsche, ja verfluch‘,
diesen abgrundtiefen Jammer.

Ist es schließlich ruhig und satt,
zieht das Monster sich zurück.
Kopfweh, das man nicht mehr hat,
ist wohl wahres Lebensglück.

©Reimerlei 2012