Ich war’s nicht! # Textanien

Manch einer annonciert beliebig,
und wundert sich, dass nicht ergiebig
des Inserates fette Beute.
Wo bleiben sie denn nur, die Leute,
die wissen um der Worte Macht?
Ach, hätt‘ der Texter doch bedacht,
Dichtkunst wird oft nicht schön gefunden,
sind Vers und Maß so ganz verschwunden.
So lässt Erfolg, obwohl unique erhofft
zwischen den Zeilen auf sich warten oft.

Text_beliebigWenn auch munter zusammengereimt, dies eingerahmte Fundstück und Machwerk aus Textanien stammt natürlich NICHT von Frau Reimerlei. Ich hab das nicht verbrochen!

Meine Inspiration dazu, wie häufig, der Meister seines Fachs, Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (Zitat aus Dideldum! Der Maulwurf)

Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil stets sie mit Geräusch verbunden.

 

Textgewächs

Es grünet, blüht, gedeiht & wächst              
an manchen Tagen guter Text,
an anderen, es ist verhext,
so schlechter, dass du dich erschreckst.
Da sitzt du nun, mit Text bekleckst,
statt Ruhm, und kleine Brötchen bäckst
du weiter, bist du echt verreckst,
weil du in dieser Mühle steckst.

©Reimerlei 2012

Unhappy

Das hätte was, Unhappy End,                       
sei es auch nur das Ende.
Gern wäre ich von Dir getrennt
und starrte an die Wände.

Das hätte was, solch Seelenpein,
und wären’s Emotionen.
Gern dächte ich mit Schmerzen Dein,
ich will mich gar nicht schonen.

Der hätte was, der Neubeginn,
und sei es nur ein Anfang.
Gern schmisse ich die Brocken hin,
allein, es ist ein Angang.

Hättest Du nicht, ich hätte doch,
wir hatten uns mal lieber.
Jetzt ist im Herz ein trübes Loch
von größerem Kaliber.

Ich hätte dich, Du hättest mich
auf Händen einst getragen.
Unhappy End ist fürchterlich,
darum will ich es wagen.

Das hätte was, Unhappy End,
und sei es nur die Wende.
Und haben wir genug geflennt,
wird es ein Happy Ende.

©Reimerlei 2012

Kleine Nestbeschmutzerei

Luise und Leonhard sähen sehr gerne
ihre Verwandten nur aus der Ferne,
denn die wohnen alle in Wuppertal –
und sie zu besuchen ist richtig brutal.

Opa Oswald haust droben in Cronenberg
mies gelaunt wie ein giftiger Gartenzwerg,
weshalb ein Besuch dort nie lange dauert
und er schnellstens wieder allein versauert.

Nun weiter nach Beyenburg zu Tante Ruth,
die immerzu freundlich und gutmütig tut,
Stilles Wasser und steinharte Kekse kredenzt,
was meist die Verweildauer deutlich begrenzt.

In Vohwinkel ist es leider nicht besser,
da wetzt Oma Erna erfreut ihre Messer
wem wird sie wohl nach dem Leben trachten …
den Besuch oder lieber die Hühner schlachten?

Es bleibt nur der Fluchtweg nach Elberfeld,
schnell dort bei Onkel Hubertus geschellt.
Der beschließt, heute sei er nicht anzutreffen:
„Hasse Kinder, besonders die Nichten und Neffen.“

Auf nach Ronsdorf. Da wohnt die stadtbekannte
bei den Herren besonders beliebte Tante
mit dem klangvollen Künstlernamen Colette –
leider liegt sie just nicht alleine im Bette.

Also heißt es nun schleunigst weitersausen
zur Urgroßmutter nach Heckinghausen
ins Heim zu den Alten und Tattergreisen
um – igitt! – kalte Hafergrütze zu speisen.

Danach droht die Steigerung dieser Qual:
Opa Hans und sein Häuschen am Uellendahl,
traulich dicht an der Autobahnauffahrt gebaut.
Vom Verkehrslärm stocktaub, findet er es nicht laut.

Zu guter Letzt wird nach Barmen geschwebt,
wo Tantchen Käthe in aller Bescheidenheit lebt,
nicht nur derbe nach Zigarettenrauch stinkt,
sondern auch nach dem Fusel, den sie gerne trinkt.

Es liegt sozusagen ein Wupperfluch
auf jedem verdammten Verwandtenbesuch.
Darum sähen Luise und Leonhard gerne
Wuppertäler  und –berge nur aus der Ferne.

©Reimerlei 2011

(Bild: Holger Weber Schwebebahnmalerei)