Ode an das Wattenmeer

by Dickelbers

by Dickelbers

So lautet elftens ein Gebot:
Gönn dir mal Urlaub, tut es not.
Und weil es nottat, sogar sehr,
urlaubte ich am Wattenmeer.

Bezog Quartier im Ferienhaus
und starrte auf das Meer hinaus,
doch ganz egal, wohin ich sah:
Das Meer war weg, es war nie da.

Wohin ich blickte, endlos Watt,
man sah sich weidlich daran satt,
und dachte, irgendwie wär‘s gut
käm‘ nach der Ebbe auch mal Flut.

Wahrscheinlich kam sie in der Nacht,
denn als des Morgens ich erwacht
und leidlich optimistisch war,
da war nur Watt, so weit ich sah.

Anstatt das Wasser zu begrüßen
stand ich am Strand mit beiden Füßen
den Horizont ganz fest im Blick
versunken im tiefschwarzen Schlick.

Schon hatte ich das Ganze satt,
fluchte, was machste auch am Watt?
Mediterraner ist das Flair
nun mal gewiss am Mittelmeer.

Während ich ungeduldig fluchte,
fand mich die Ruhe, die ich suchte,
mit ihr flutete endlich Meereswasser,
umspülte meine Füße immer nasser.

Und wie das Meer so kam und ging,
mit seinem Rhythmus mich umfing,
war’s aus mit aller Unzufriedenheit:
Watt für ne wunderbare Urlaubszeit!

© Manuela Sanne

2 Gedanken zu „Ode an das Wattenmeer

  1. Wunderbar erfasst und verdichtet. 🙂 Genau so haben wir es am vorletzten Wochenende in Dangast erlebt. Haben uns kilometerweit durch Schlick gekämpft, der uns in seine Tiefen hinabziehen wollte, die Füße beim Herausziehen an Muscheln aufgeratscht, bis wir endlich beim ca. 20 cm hohen Tümpelchen ankamen, das aus der Ferne so köstlich kühlend und wellenbrechend aussah. 😀 Nun hat auch mein Ostseemann verstanden, dass man hier im Norden nicht mal eben so ans Meer fahren und baden kann. Aber irgendwann hat die holde Nordsee sich dann doch unserer erbarmt. Und sie hat ja ohnehin ihre ganz eigene karge Schönheit, auch wenn das Mittelmeer ihr gern mal die Show stiehlt.

    Lieben Gruß und noch ein paar erholsame Tage!

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