Kleine Nestbeschmutzerei

Luise und Leonhard sähen sehr gerne
ihre Verwandten nur aus der Ferne,
denn die wohnen alle in Wuppertal –
und sie zu besuchen ist richtig brutal.

Opa Oswald haust droben in Cronenberg
mies gelaunt wie ein giftiger Gartenzwerg,
weshalb ein Besuch dort nie lange dauert
und er schnellstens wieder allein versauert.

Nun weiter nach Beyenburg zu Tante Ruth,
die immerzu freundlich und gutmütig tut,
Stilles Wasser und steinharte Kekse kredenzt,
was meist die Verweildauer deutlich begrenzt.

In Vohwinkel ist es leider nicht besser,
da wetzt Oma Erna erfreut ihre Messer
wem wird sie wohl nach dem Leben trachten …
den Besuch oder lieber die Hühner schlachten?

Es bleibt nur der Fluchtweg nach Elberfeld,
schnell dort bei Onkel Hubertus geschellt.
Der beschließt, heute sei er nicht anzutreffen:
„Hasse Kinder, besonders die Nichten und Neffen.“

Auf nach Ronsdorf. Da wohnt die stadtbekannte
bei den Herren besonders beliebte Tante
mit dem klangvollen Künstlernamen Colette –
leider liegt sie just nicht alleine im Bette.

Also heißt es nun schleunigst weitersausen
zur Urgroßmutter nach Heckinghausen
ins Heim zu den Alten und Tattergreisen
um – igitt! – kalte Hafergrütze zu speisen.

Danach droht die Steigerung dieser Qual:
Opa Hans und sein Häuschen am Uellendahl,
traulich dicht an der Autobahnauffahrt gebaut.
Vom Verkehrslärm stocktaub, findet er es nicht laut.

Zu guter Letzt wird nach Barmen geschwebt,
wo Tantchen Käthe in aller Bescheidenheit lebt,
nicht nur derbe nach Zigarettenrauch stinkt,
sondern auch nach dem Fusel, den sie gerne trinkt.

Es liegt sozusagen ein Wupperfluch
auf jedem verdammten Verwandtenbesuch.
Darum sähen Luise und Leonhard gerne
Wuppertäler  und –berge nur aus der Ferne.

©Reimerlei 2011

(Bild: Holger Weber Schwebebahnmalerei)

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